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1020 - 1871

Die Grafschaft Ravensberg wurde im Mittelalter geschaffen, als die Grafen von Calvelage, begütert um Vechta und Bersenbrück, um 1100 Gebiete im Teutoburger Wald nordwestlich von Halle erwarben und die Burg Ravensberg errichteten. Die Fürsten verlegten um 1140 ihren Hauptsitz auf die Burg Ravensberg und führten fortan den Titel „Graf von Ravensberg“, desgleichen alle ihre Nachfolger. Zur Grafschaft gehörte auch der Ort Brake. 1214 wurde erstmals die Stadt Bielefeld erwähnt, entwickelte sich zum Hauptort der Grafschaft.  Graf Ludwig ließ bis etwa 1250 die Sparrenburg errichten, die für die folgenden hundert Jahre der bevorzugte Sitz der Herrscher war.

Die Grafen von Ravensberg übernehmen 1244 den weltlichen Schutz des Stiftes Schildesche; sie werden die Stiftsvögte genannt.


Bäuerliches Leben im 10./11. Jahrhundert

Dazu ist in der Festschrift "1075 Jahre Hof Meyer zu Jerrendorf  - 1075 Jahre Brake" von Herrn Joachim Wibbing der Versuch unternommen worden einen Einblick zu vermitteln.

Hier nun eine Zusammenfassung. Das Zentrum bäuerlichen Lebens war die Familie. Der Bauer und seine Frau stellten eine Art Schicksals- und Wirtschaftsgemeinschaft dar. Wie kärglich die Erträge waren beweist folgendes Beispiel, von einem ausgesäten Getreidekorn wurden in der Regel nur drei Körner geerntet - heute 11 Körner. Dies hatte natürlich Auswirkungen auf die Einkommens- und Lebensverhältnisse der Landbevölkerung. Es wundert nicht, dass nur zwei Drittel der lebend geborenen Kinder vier Jahre alt wurden und die Hälfte von ihnen maximal 12 Jahre. Nur jeder zehnte Erwachsene wurde mehr als 59 Jahre alt. Natürlich war eine weitere Ursache dafür die noch geringen medizinisch-hygienischen Kentnisse der Bevölkerung.

 
Getreideernte  -  Bildarchiv HV Brake e.V.

Ab dem siebten Lebensjahr mußten die Kinder als vollwertige Arbeitskraft auf dem Hof mit arbeiten, eine Kindheit wie heute in den entwickelten Industriestaaten Norm, gab es damals nicht.

Technische Entwicklungen wie Eisenpflug und des Kummet liesen schrittweise bessere Bodenbearbeitung zu und damit höhere Erträge. Düngen der Felder war noch unbekannt, deshalb wurden die Felder in einem bestimmten Rhythmus brach liegen gelassen.


Gebäude Hof Pahmeyer    -   Bildarchiv HV Brake e.V.

Gutes Anschauungsmaterial dazu kann man im Landmaschinen - Museum Riesenbeck erhalten, gelegen zwischen Osnabrück und Münster.
 
Das Wetter hatte enormen Einfluss auf die bäuerlichen Lebensverhältnisse. Gefürchtet waren deswegen auch Hagelschlag und Hochwasser, welche Hunger und Elend mit sich brachten. In Schildesche ist eine heidnische "Flurumgehung" belegt, wo sich die Mitgänger an den heidnischen Fruchtbarkeitsgott Arvambali wandten und diesen um Verschonung vor Hagelschlag baten. Dieser Brauch soll mit als Grundlage für die spätere christliche "Johannes-Prozession" gedient haben.

Um  900 n. Chr. gab es vermutlich noch eine größere Anzahl freier Bauern. In Westphalen, sowie an den südlichen Grenzmarken des Reiches, im jetzigen Bayern und Österreich, namentlich aber in der heutigen Schweiz erhielten sich bis zum 14. Jahrhundert gar freie Bauerngemeinden.

Diese hatten das Recht, nur von ihresgleichen nach dem Volksrecht gerichtet zu werden, vor Gericht Zeugnis abzugeben, bei den kaiserlichen Gerichten Berufung einzulegen und über öffentliche Angelegenheiten in freien Versammlungen sich zu beraten. Sie galten unter sich den Rechten nach gleich und ebenbürtig. Die freien Bauern aber unterschieden sich von den übrigen nicht allein dadurch, dass sie im Besitz aller Volksrechte waren, sondern sie zeichneten sich auch durch ihren Wohlstand und ihre Lebensweise aus, die an Prunk und Üppigkeit vielfach derjenigen des Adels gleichkam.

Nicht selten heiratete ein armer Ritter eine reiche Bauerntochter. 
Der freie Bauer kleidete sich in ähnlich geschnittenen Leinen- oder Tuchgewändern wie Kaiser und Fürsten.

Der Bauer trug selbst auch noch ein langes Schwert. So gekleidet schritt der freie Bauer unter den Baum oder zum Gerichtsstein des Dorfes. Der Rang eines über Generationen freien Bauern galt im alten Germanen(Sachsen-)recht mehr als der eines adligen Höflings, dessen Vorfahren Unfreie waren. Wer einen solchen freien Bauern schädigte wurde genauso hart bestraft, als hätte er einem Adligen etwas angetan. Die Rechtsstellung der Bauern im heidnischen Sachsen war demzufolge günstiger als nach ihrer Christianisierung.

Da die Menschen im Land mit dem Übertritt des Königs zum Christentum diesen Glauben "automatisch" angehörten, galten sie als Christen. Aber zuhause und bei der Arbeit auf ihren Höfen lebten sie nach ihren herkömmlichen Gewohnheiten und heidnischen Götterglauben.

Zunehmend, nach dem Sieg der Franken um 782 über den Sachsenherzog Widukind in westphälischen Landen, benötigten die freien Bauern in den unsicheren Zeiten Schutz eines Stärkeren. In der Regel war dies die Kirche, erst später übernahmen diese Schutzfunktion weltliche Herrscher - die Könige und ihre Vasallen. Mit der "Unterschutzstellung" wurde der Bauer unfrei und abhängig. Später zum Leibeigenen seines weltlichen Herren. So bildete sich das Lehnwesen heraus.

Sonnenaufgang und -untergang bestimmten den Arbeitsalltag einer Bauernfamilie an den 6 Wochentagen. Der Sonntag wurde der Kirche gewidmet, wo er mehrere Stunden bei lang währenden Gottesdiensten verbrachte. Es gab nur einfaches Essen, wie Getreidebrei. Obst und Gemüse waren noch keine weit verbreiteten Nahrungsmittel. Wasser oft nicht keimfrei. Deshalb wurde in späteren Jahren häufig Bier getrunken, da es aufgrund der Brauweise keimfrei war. Inwieweit, vergleichbar mit der heutigen bewussten Zuwendung zur gesunden Ernährung, dies auch bewußt geschah, ist schwer nachvollziehbar.

In der Zeit um 1000 n. Chr. fühlte sich vermutlich der Bauer, trotz kirchlicher Schutzfunktion, noch als selbstständiger Bauer.

Der unfreie Bauer stand unter zunehmenden Druck seiner Lehnsherren und war gering geachtet. Auf Grund des Wenigen was diesen unfreien Bauern von der Ernte, nach Erfüllung ihrer Abgabenpflicht gegenüber dem Lehnsherren, übrig blieb äußerte sich auch in ärmlicher Kleidung und kärglicher Nahrung der gesamten Familie. 

Im Mittelalter war die Gesellschaft in drei Stände (Klassen) geteilt dem geistlichen Stand, dem Krieger und den Bauern. Jeder Stand sollte wechselseitig Empfänger von Diensten des anderen Standes sein. Für den Bauern entwickelte sich aus diesem Gesellschaftsidealbild ihre persönliche Unfreiheit. Die beiden anderen Stände blieben frei. Der Bauer unterlag der Grundherrschaft bezüglich des Bodens, der Leibherrschaft bezüglich seiner eigenen Person und schließlich der Gerichtsherrschaft seines oder seiner Herren. 

Die Leibherrschaft hatte für das Leben der Bauern enorme Bedeutung, in allen Lebensbereichen mußte der Bauer sein
em Herren um Erlaubnis bitten, wie zum Beispiel, wem er heiraten darf oder ob er das Dorf verlassen darf, um in der Stadt handwerklich zu arbeiten. Bei der Heirat wurden zudem noch Auffahrt- oder Weinkaufgelder an den Lehnsherren fällig. 

Im Sterbefall waren enorme Abgaben nach überlieferten römischen Recht an den Lehnsherren zu zahlen. Es galt der Grundsatz "was der Knecht erwirbt, erwirbt er seinem Herren". Deshalb mußten 50% des bäuerlichen Besitzes als "Sterbefall" gezahlt werden. Im Zusammenhang mit der geringen Lebenserwartung und geringen Erträge waren deshalb die Bauernhöfe häufig auf Jahre oder ständig verschuldet. Nicht selten nahmen die Bauern in ihrer Not Kredite bei einem jüdischen Geldverleiher auf, die durften häufig keinen Handwerksberuf ausüben, und den Christen waren anderseits im Mittelalter, aufgrund des kirchlichen "Zinsverbotes", Kreditgeschäfte untersagt. Also nicht die Juden waren schuld am bäuerlichen Übel, obwohl im Volksmund als Schuldige empfunden und beschimpft, sondern das System der Leibeigenschaft und ein Verbot gegenüber Juden bestimmte Berufe nicht ausüben zu dürfen. Manche Bauernfamilien wurden ihre Schulden sogar erst mit der Hyperinflation 1923, also in der Weimaer Republik, los. Solange konnten die Pflichten der Eigenbehörigen, wie die Leibeigenen in Westphalen genannt wurden, nachwirken.

In Ravensberg wurde deshalb auch übliches Handeln im Erbfall, dass die Bauernstätten im Todesfall des Bauern nicht auf dessen Kinder aufgeteilt werden durften, sondern an den jeweils jüngsten Sohn fielen, um die bäuerliche Wirtschaftskraft zu erhalten. Die anderen Kinder wurden mit einem Brautschatz abgefunden oder siedelten in ein zum Hof gehörendes Heuerlingshaus um, um auf Zuruf des jüngsten Bruders als Saisonkraft auf dem Hof zu arbeiten.

Die grundherrlichen Abgaben bestanden aus Natural- und/oder Geldabgaben. Die "Bemeierung" der Bauern durch den Lehnsherren erfolgte meistens für 25 Jahre, dies entsprach den Erfahrungen der durchschnittlichen Arbeitsfähigkeit nach Hofübernahme. In Fällen der Misswirtschaft konnte der Lehnsherr auch den Bauern "abmeiern", also vom Hof jagen.

Frau Loeonie Jürging beschrieb Brakes Grundherrschaften in ihrer Examensarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an der Volksschule [Grund- und Hauptschule] 1968 - Fachgebiet Geschichte der Pädagogischen Hochschule Westfalen Lippe, Abt. Bielefeld - wie folgt [Arbeit befindet sich im Archiv des Heimatverein Brake]:

"... vier Grundherrschaften [sich] in die Ländereien von Brake teilten:

  1. Stift Schildesche

         Hof  Nr. 1 - Pahmeyer                                         Hof Nr. 2 - Meyer zu Jerrendorf
       Urbar Nr. 544 (Pagemeiger)                                Urbar Nr. 542 (Meiger zw Gerendorf)

       Hof Nr. 4 - Guntmeyer                                         Hof Nr. 5 - Wefel
       Urbar Nr. 523 (Guntgemeiger)                             Urbar Nr. 535 (Wefels)  

       Hof Nr. 6 - Maag                                                Hof Nr. 8 - Höner zu Jerrendorf
       Urbar Nr. 528 (Maag)                                         Urbar Nr. 543 (Hovener zw Gerendorf)

       Hof Nr. 9 - Höner zu Guntenhausen                      Hof Nr. 13 - Lindemann
       
Urbar Nr. 517 (Hovener zw Guntenhusen)             Urbar Nr. 532 (Lineman)

    2. Kloster Gehrden

          Hof Nr. 3 - Brakmeyer                                        Hof Nr. 7 - Brikmann
        Urbar Nr. 527 (Braickmeiger)                            Urbar Nr. 534 (brinckmann)

      3. Stift auf dem Berge

        Hof Nr. 10 - Harden
        Urbar Nr. 530 (Harde)  

     4. Abtei Herford

        Hof Nr. 14 - Rabe
        Urbar Nr. 540 (Rabo) 

Brake um das Jahr 1200
[war] vollständig unter kirchlicher Grundherrschaft ... [somit hatten sie durch den König verliehen] Immunität, daß kein staatlicher Beamter von den Hintersassen der Kirche Steuern erheben oder Dienste fordern durfte und kein Richter über sie Urteilen durfte; alle Anforderungen gegenüber Hintersassen der Kirche mußten an den Vogt gerichtet werden."


Das Frauenstift Schildesche hatte von Beginn seines Bestehens die Vogtei über die Ländereien und Bauernhöfe, welche die Stiftsdamen dem Stift vererbten bzw. welche die Stiftsgründerin, die adlige Witwe Marswidis, zur Gründung einbrachte, wozu auch zwei Braker Urhöfe gehörten.

Die erste Stiftskirche des Stiftes Schildesche brannte Ende des 12. Jahrhundert bis auf die Grundmauern nieder. Im Jahr 1260 wurde die Kirche in der heutigen Form auf den Grundmauern der marswidischen Kirche neu errichtet. Der Baustil entsprach dem Zeitgeist des 13. Jahrhunderts, es war die Zeit der Gotik.


Abbildung aus Informationsbroschüre der Stiftskirche Schildesche

1214

Anno 1214 gründete der Graf Hermann von Ravensberg die Stadt Bielefeld ("Biliuelde"). Zu der Zeit war die Stadt ein kleiner Flecken, aber von strategischer Bedeutung für die Grafen von Ravensberg, denn den Kern der Stadt bildete eine Kreuzung an den alten Handelswegen. In unmittelbarer Nähe befand sich ein Pass des sagenumwobenen urgermanischen Teutoburger Wald. Heute gehört Brake zur Stadt Bielefeld.

Hermann von Ravensberg war Landesherr in dieser westfälischen Gegend, er plante mit der Stadtgründung von Bielefeld seine Machtposition auszubauen, durch Kontrolle der traditionellen Handelswege, zugleich konnte er so die Stadt als Kaufmannsstadt profilieren, denn es wurden eine Reihe von Kaufleuten aus der Umgebung und dem benachbarten Herford (789 gegründet, Reichsfrauenstift Herford, seit 1342 Hansestadt) Münster (793 gegründet) hier sesshaft. Sie nutzten die vom Grafen Ihnen in der neuen Stadt gebotenen Freiheiten und bestimmten die weitere Entwicklung Bielefelds. Die Stadtgründung sollte demzufolge dazu beitragen, die Wirtschafts- und Finanzkraft des Grafen zu steigern. 

Die Stadt war üblich zu Schutzzwecken mit Mauern, Wällen und Wassergräben umgeben und so vom Umland abgeschlossen. Durch die Stadttore war tagsüber der Zugang möglich. In den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts wurde die Sparrenburg von den Grafen errichtet, erste urkundliche Erwähnung war 1256. Die Burg wurde der Verwaltungssitz der Grafen von Ravensberg. Sie diente somit als Sitz des Amtmannes des Amtes Sparrenberg und des Drosten für die gesamte Grafschaft Ravensberg, sowie als Wohnsitz des Landesherrn und seines Gefolges. Die Sparrenburg erfüllte wie üblich im Mittelalter militärische Zwecke, sie sicherte den Pass durch den Teutoburger Wald, als auch sicherte sie die Stadtgründung von Bielefeld ab. Die mittelalterliche Sparrenburg war deutlich kleiner wie die heute vorhandene Burganlage. 

Die Grafschaft Ravensberg wurde stark durch den mächtigen Städtebund der Hanse im Mittelalter mit beeinflusst. So kamen viele 
Luxusgüter und andere Handelswaren aus aller Welt in diese Gegend, wenngleich nur wenige sich selbige leisten konnten. Profitable Exporte der heimischen Waren wurden maßgeblich durch die HANSE abgesichert. Durch die HANSE kam es auch zu internationalen Beziehungen in alle Himmelsrichtungen - die Zeit des Hansehandels prägte die acht Mitgliedsstädte des Handelsbundes im Teutoburger Wald. Dazu gehörten in der näheren Umgebung von Brake die Städte Bielefeld, Brakel, Herford und Lemgo. Die Hansestädte zeichnen sich durch eine besondere architektonische Pracht aus, was Ausdruck des Wohlstandes der Kaufleute der Stadt im Mittelalter war. Im Lemgoer Stadtbild ist in der Altstadt sehr ausgeprägt die Baukunst der Hanse bewahrt worden.


1288 - erste urkundliche Nennung des Ortsnamen von Brake ["Querenbrac" bzw. Oberbrake]

Urkundlich belegt, überträgt der Laie Justacius aus Herford (Christ, aber kein Kleriker der Kirche - kein Angehöriger des geistlichen Standes), ursprünglich aus Oberbrake "Querenbrac" (lies Overbrak) stammend, an das Damenstift Schildesche, zur Stiftung einer Kaplanstelle für sechs Kapellen, eine jährliche Rente von 16 Pfennigen. Dies erfolgt mit Zustimmung der Äbtissin und des Grafen sowie der Gräfin von Ravensberg. Diese Urkunde ist das älteste erhaltene Originaldokument mit einen Schriftzug "Brac". Es wird im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen aufbewahrt.  



Bildarchiv HV Brake e.V.

Frau Loeonie Jürging beschrieb Brakes Siedlungsbild in ihrer Examensarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an der Volksschule [Grund- und Hauptschule] 1968 - Fachgebiet Geschichte der Pädagogischen Hochschule Westfalen Lippe, Abt. Bielefeld - wie folgt, (vgl. jeweilige Hofnummer in obiger Karte von 1721, um Hofnamen zu erhalten):

"... das Hof- und Siedlungsbild von Brake zur Zeit der Aufzeichnung des Urkatasters. Fünf verschiedene Hofgruppen sind deutlich zu erkennen:

  1. Ein kleiner Dorfkern bestehend aus sechs Höfen (Nr. 5, 6, 7, 10, 13 und 25) liegt am Nordrande eines Esch, der augenscheinlich in zwei Teile zerfällt.
  2. Die Blockfluren vier sehr große Höfe umgeben den Dorfkern und den Esch. Es sind die Höfe Nr. 1 (Pahmeyer), Nr. 2 (Meyer zu Jerrendorf), Nr. 3 (Brakmeyer) und Nr. 4 (Guntmeyer).
  3. Innerhalb des Geländes von Hof Nr. 2 (Meyer zu Jerrendorf) befindet sich der Hof Nr. 8 (Höner zu Jerrendorf), und innerhalb der Ländereien des Hofes Nr. 4 (Guntmeyer), liegt der Hof Nr. 9 (Höner zu Guntenhausen). Die Hofgebäude von Nr. 2 und Nr. 8 und Nr. 4 sowie Nr. 9 liegen paarweise dicht nebeneinander.
  4. Auf dem Gelände des Hofes Nr. 1 (Pahmeyer) befinden sich vier kleine Höfe (die Kotten Nr. 12, 15, 16 und 24).
  5. Die letzte Gruppe von Hofstätten wird durch eine größere Anzahl kleiner Kotten gebildet, die in der Masse am Westrand der Gemarkung beiderseits einer Straße [gemeint ist die heutige Engersche Straße] liegen, zum Teil aber auch zwischen Esch und Ländereien des Hofes Nr. 2. ..."

1324

In einer Urkunde des Zisterzienserkloster Marienfeld sind die Ortsbezeichnungen Ober-, Nieder- und Unterbrake (utraque Brake, superiori scilicet et inferiori) zu finden. Auch diese Urkunde wird im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfahlen aufbewahrt.

1345

Es entstand das "ewige Licht", welches, auf dem Kirchplatz der Stiftskirche Schildesche stehend, an den ehemaligen Friedhof erinnern soll.

1346

Die Grafen von Ravensberg sterben im Mannesstamm aus. Ihre Grafschaft am Teutoburger Wald fällt an die Herzöge von Jülich-Berg.

1399

Im Heberegister, eine Steuerliste, werden erstmalig alle Besitzungen des Stiftes Schildesche verzeichnet. Folgende Braker Höfe werden darin aufgelistet:  Pahmeier,  Meyer zu Jerrendorf, Höner zu Jerrendorf, Höner zu Gutenhausen, Maag und  Wefel.

Chronik HV Brake e.V.

um 1400

Um das Jahr 1400 entstand in der Stiftskirche Schildesche, dort wo einst sich der Kirchhaupteingang befand, das nachfolgend abgebildete Freskogemälde des heiligen Christophorus. Sein Blick sollte die Gottesdienstbesucher segnen und sie gegen plötzlichen Tod schützen.

Abbildung aus Informationsbroschüre der Stiftskirche Schildesche

1461

Für die Stiftskirche Schildesche wurde eine neue Glocke gegossen. Zur Kirchgemeinde Schildesche gehörten auch die Bürger der Ortschaft Brake. Die Glocke ist bis heute erhalten und die Älteste der Stadt Bielefeld.

1500  - 1515

In dem Jahr 1500 erfolgt ein weiterer Ausbau der Stiftskirche Schildesche.  Das "Sakramentshaus" wurde in diesem Zeitraum ebenfalls errichtet, es handelt sich um einen 10 m hohen dreigeschössigen Fialenbau. 
Ein Jahr darauf schuf der "Braunschweiger Madonnenmeister" Conrad Borgentriks den spätgotischen Schnitzaltar. Dieser Altar wurde zuletzt im Jahr 2006 restauriert. Die Vorderseite des Altars ist vergoldet und mit kunstvollen Reliefschnitzereien versehen. Rückseitig befinden sich wertvolle Malereien zur Passion Jesu und dem Ende des Johannes des Täufers.
1515 wird als das Turmbaujahr in der Kircheninformationsbroschüre der Stiftskirche Schildesche benannt.


Chronik HV Brake e.V.

Beginnend im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts änderten sich mit den technischen Neuerungen, insbesondere im deutschen Bergbau und Hüttengewerbe die Produktions- und Distributionsverhältnisse nachhaltig. Dieser Entwicklungsschub wurde auch durch geografische Entdeckungen beeinflusst. Die Feudalgesellschaft mit ihre Besitzverhältnissen, der Naturalwirtschaft und den primitiven Marktbeziehungen stieß damit zunehmend an ihre Grenzen - erste Züge des Frühkapitalismus bildeten sich heraus. Die Landwirtschaft dominierte immer noch, aber es entstanden immer mehr Städte, Quelle für den Erfindergeist dieser Ära. Durch Erfindungen wurden neue Techniken und Technologien in die Produktion eingeführt, es setzten sich zunehmend neue Formen der Produktionsorganisation durch, besonders in den handwerklichen Manufakturen. Es entstanden immer mehr Produktionsstätten, welche für den wachsenden Export ihre Produkte herstellten. Mit dieser Ausweitung des Handels mit Massengüter verstärkte sich eine überregionale Arbeitsteilung. Die Wanderarbeiter in der Landwirtschaft und die auf der Walz befindlichen zünftigen Handwerkergesellen übermittelten zudem neue Arbeitspraktiken aus anderen Regionen und Länder. Da sich in Bielefeld die Handelsrouten kreuzten und die Reichsstadt Herford durch seine [vom Kaiser verliehen] Reichsunmittelbarkeit über die Grenzen von Ostfestfalen hinaus bekannt, erhielten die Bewohner von Brake über diese neuen Entwicklungen Kenntnis. 

Für die Anwendung der  neuen Techniken bedurfte es viel Geld. Dieses konzentrierte sich in jener Zeit vor allem auf das Handelskapital, welche große Gewinne im Fernhandel machten. Besonders zu nennen wären die Kaufleute in den Hansestädten und die Fuggerdynastie.


Das Leinengewerbe in Ravensbergischen Landen

Der Flachs gehört zu den ältesten Kulturpflanzen, welche zur Faser- und Ölgewinnung angebaut wird. Es wird unterschieden nach der Hauptverwendung, den Faserlein und Öllein. Der Begriff Flachs leitet sich von „flechten“ ab und bezieht sich auf seine Verarbeitung. 

Leinenanbau wurde bereits vor über 6000 Jahre [Ägypten] nachgewiesen. 1 g Garn konnte damals eine Länge von bis zu 300 m haben. Vor allem die feinen Flachsqualitäten waren den Priestern und Herrschern vorbehalten. Selbst ihre Toten wurden in Leinenbinden gewickelt und sind uns als Mumien erhalten. 

Bereits im Mittelalter war die vielstufige Herstellungskette von Flachs bzw. Leinen weitgehend ausgereift. Hohe Qualitäten an Leinengeweben wurden schon erzeugt. Lein stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden. Wichtig ist eine gute Wasserversorgung von rund 120 Millimeter Niederschlag in der Hauptwachstumsphase Mai/Juni. In der Fruchtfolge ist ein Abstand von sechs Jahren zwischen zwei Leinanbauten zu beachten.  Dabei ist eine Vorfrucht wichtig, welche wenig Unkraut hinterlässt. Als beste Vorfrucht gilt Saat-Hafer oder MaisAnsonsten stellt Lein keine besonderen Anforderungen an die Fruchtfolge. Die Verarbeitung der Flachsfasern ist hingegen aufwändig. 

Insbesondere verarbeitetes Leinen aus Bielefeld und der gesamten Grafschaft Ravensberg war im Mittelalter in den europäischen Fürstenhäusern sehr begehrt. Daran erinnert auch das Bielefelder Leineweberdenkmal. 
folgendes Bild

Diese Herstellungskette kann man so beschreiben:

  • der Bauer bereitete den Boden und säte den Flachs ein,
  • die Mägde zupften das Unkraut,
  • zur Reife zogen die Knechte den Flachs aus der Erde,
  • während die Mägde ihn bündelten und trockneten,
  • im Herbst und Winter wurde der Flachs von den erfahrensten Knechten und Mägden in Wasserkuhlen geröstet,
  • dann gedörrt und gebrochen,
  • danach wurden die Fasern isoliert ("geschwungen") und verfeinert ("gehechelt"),
  • dann wurde aus dem gehechelten Flachs das Leinengarn ersponnen,
  • danach wurde das Leinengarn zu Leinenstoffen verwebt und
  • das Garn oder der fertige Stoff wurde dann fahrende Händler verkauft. 

Diese Arbeiten wurden auf dem bäuerlichen Hof mit einfachsten Maschinen und Geräten verrichtet. Häufig war die Herstellung von Leinenstoffen die einzige Möglichkeit an bares Geld zu kommen. Je kleiner der Hof desto stärker war auch das bäuerliche Paar persönlich mit der Leinenherstellung beschäftigt, da sie kaum Knechte und Mägde hatten. Es wurde also mangels Personal bereits von früh an selbst gesponnen. Häufig stand es nicht gut um die bäuerliche Wirtschaft, davon zeugt auch ein alter Spruch "Spinnen am Morgen – Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend - erquickend und labend".

Spinnräder in der Ausstellung
Heimatstube Brake

Bildarchiv HV Brake e.V.

Der Bielefelder Arzt Dr. Georg Wilhelm Consbruch beschrieb 1793 in seinem Werk zum Gesundheitswesen im Ravensberger Land die Arbeit in den bäuerlichen Spinnstuben wie folgt: 
"Im Winter, wo" der Bauer "ausser Hause eben keine Geschäfte hat, sondern sich in seiner Stube mit Spinnen und Weben beschäftigt, ist seine enge Stube von Menschen, Vieh und Hausrath voll gepfropft. Die ganze Hausgenossenschaft, und oft auch noch überdem die Nachbarn kommen in derselben zusammen. Die männlichen Personen dampfen unaufhörlich stinkenden Tabak, und oft leisten ihnen auch die Weiber Gesellschaft. Der Ofen ist bis zum Rothglühen eingeheizt. Gegen Abend wird eine Thranlampe angezündet, die unter der Decke des Zimmers hängt, und einen schwachen schauderlichen Schimmer nebst einem dicken stinkenden Rauche verbreitet; und mit alle diesen angenehmen Düften vermischt sich dann die leibliche Ausdünstung der vielen Menschen. ... dazu kömmt noch, daß der arme Bauer bey sehr strenger Kälte seine Ziegen, Hühner und andres kleine Vieh nebst seinem Gemüsevorrath mit in die Stube nimmt, um sie vor dem Erfrieren zu schützen. Die Spinner sitzen den ganzen Tag durch, fast unverrückt in derselben Stellung an den Spinnrädern, und bewegen nichts, als den Fuß, womit sie das Rad treten, und die Arme zum Ausziehen der Fäden. Die Weber haben zwar bey ihrer Arbeit mehr Bewegung, leiden doch aber von dem Krumsitzen, dem Anstemmen der Brust an den Brustbaum des Weberstuhls, und der Erschütterung vom Zuschlagen der sogenannten Lade. 
Ausserdem aber muß die dichte Leinwand, wenn sie recht fest und gut ausfallen soll, an feuchten Orten gewebt werden, damit der Faden nicht zu trocken wird, und oft abreißt. Zu diesem Endzweck lassen die Weber ihre Stuben nicht mit Dielen, sondern mit Thon belegen, der immer feucht bleibt. Unter andern nothwendigen daher rührenden Folgen will ich nur jeze die dickgeschwollenen Füsse anführen, womit fast alle, vorzüglich Frauenzimmer, die in solchen Stuben arbeiten, behaftet sind." 

                                                                            Flachsfeld im Blütenstand - Quelle: Heimatverein Wegberg-Beeck e.V.

Leinen fand seinen Weg in alle Bereiche des täglichen Lebens: von der Windel bis zum Totenkleid begleitete es den Menschen hautnah. Bett und Tischwäsche waren aus Leinen, Planen ebenso wie Gurte und Binden. Ein Teil der Fasern diente als Polstermaterial (Polsterwerg) oder - geteert - zum Abdichten von Schiffen oder Bottichen (Hede). Die Leinsaat und das aus ihr gepresste Leinöl war ein begehrtes Nahrungs- und Stärkungsmittel, die Holzteile aus dem Innern der Pflanze wurden verheizt. Die Gemälde des Mittelalters wären längst verblichen, hätten sie die Künstler nicht mit Leinölfirnis geschützt. Selbst in der Medizin wurde Leinen eingesetzt. Erhitzte Leinenbinden dienten zur Wundabdeckung, das bei der Herstellung extrahierbare Flachswachs wurde zum Bestandteil von Brandsalben. Was Wunder wenn eine so allgegenwärtige eigene Welt für hunderte von Jahren Sprache und Kultur prägt: noch heute kennen wir "eine Fahrt ins Blaue" (früher ein Besuch des blühenden Flachsfeldes) wir "flachsen" wenn wir Spaß machen, wir "hecheln" ein Thema durch - wenn wir es immer wieder und von allen Seiten bearbeiten - wie unsere Vorfahren dies mit einer Handvolle Flachsfasern taten.

Robert Feldmann beschrieb den Flachsanbau und -verarbeitung in seiner Broschüre "Zur Geschichte von Brake/Bielefeld" auf den Seiten 48/49 so:

- 48 -

 


- 49 -


31. Oktober 1517

Beginn der Reformation [1517-1648]. Der Mönch Martin Luther schlug seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses an die Kirchentür der Schlosskirche Wittenberg. 

Martin Luther - Bild von Lucas Cranach dem Älteren


Dieser Erneuerungsprozess der Kirche blieb nicht ohne Folgen auf Brake.

1533

Ein Visitationsprotokoll zeigt die Vorboten der Reformation auch im Braker Umland auf, es heißt darin:

  • Geistliche in Schildesche leben mit Frauen zusammen

  • Menschen schimpfen auf die Gottesdienste und die Pfarrer

1543 - 1548

1543 wird die Kirchgemeinde Schildesche evangelisch und damit auch die Bürger von Brake. Das geht auf ein Zeugnis des Bielefelder Reformators Hamelmann zurück.
1548 wurde Schildesche mit der Verkündung des "
Augsburger Interim" wieder auf den katholischen Stand zurückgeführt. Da die Mehrzahl der Stiftsdamen lutherisch gesinnt waren, wurde die Schildesche Stiftskirche lange Zeit den protestantischen Gläubigen überlassen.

Bereits 1552 war Karl, nach einem aufstand protestantischer Fürsten, gezwungen das Interim wieder zurückzunehmen und die konfessionelle Spaltung des Reiches zu akzeptieren.


1556

Der Herzog Wilhelm V. von Jülich-Berg, der Reiche, lässt erstmals alle Bauernstätten schriftlich unter der Rubrik „Burschop Braick“ fixieren.

Wilhelm V. in spanischer Hoftracht, im Alter von 75 Jahren, Porträt nach Johan Malthain, 1591

Der Reformationsprozess blieb auf dem Land nicht ohne Folgen. Schimpften die Bauern von Schildesche und Brake bereits vor der Reformation auf die Pfarrer und Gottesdienste (vgl. Visitationsprotokoll), so inspirierten Luthers Thesen und Forderungen von Thomas Müntzer zur „Bauernbefreiung von den Abgabelasten“ erst recht die Bauern und Unfreien über ihr Leben nachzudenken. Dazu trug auch Luthers Bibelübersetzung und seine 95 Thesen bei, nun verstand ein Jeder was in der Bibel geschrieben stand.

Thomas Müntzer vertrat, im Widerstreit auch mit Luther, eine Theologie, die sich weniger auf den strengen Bibelglauben als auf die Identifikation mit dem leidenden Christus stützte. nämlich ein Gottesreich bereits auf Erden aufzubauen. Dazu sammelte er Bürger, Bergleute und Bauern um sich, die seiner Ideologie der gerechten Umverteilung des Reichtums nur zu gern folgten. Ganz in reformatorischer Tradition führte er 1523/24 mit seinem „Allstedter Deutschen Amt“ die deutsche Volkssprache im Gottesdienst ein. Er vertrat die Meinung, dass Gewalt nötig sei, um eine gerechtere Ordnung durchzusetzen.

 

Für Brake und ganz OWL sind keine Bauernerhebungen bekannt geworden.

1590 Mühlengewerbe in Brake

Robert Feldmann beschrieb das Braker Mühlengewerbe in seiner Broschüre "Zur Geschichte von Brake/Bielefeld" auf den Seiten 49/50 so:
- 49 -
 

- 50 -

Im Westfalen-Blatt Nr. 198 vom 27.08.2003 wurde zur Mühlengeschichte, nach Angaben des Orts-
heimatpflegers Heinz Kossiek, wie folgt berichtet, "Erstmals 
1556 wurde das Hauptgebäude erwähnt.
... Steinsieks Mühle ist die älteste Mühle ... Brakes gewesen. ...
An die Historie erinnert noch das alte
Mühlrad ... . So seien früher alle Einwohner von Brake gezwungen 
gewesen, ihr Korn bei Steinsiek
mahlen zu lassen, heißt es. Von dem gemahlenen Korn mußte an Steinsiek neben einer Abgabe noch
ein jährliches Mühlengeld gezahlt werden. Darüber hinaus waren die
Einwohner verpflichtet, für die
Erhaltung des Staudammes Rasen und Erde zu liefern. Im Laufe der 
Zeit errichtete man jedoch in
Brake und Umgebung weitere Mühlen, wodurch auch der Mühlenzwang aufgehoben wurde."


Steinsiek-Mühlenrad 1969, Brake, Engersche Strasse  -  Bildarchiv HV Brake e.V.

weiter Feldmann Seite  51 

Anmerkung, unter Kommerziant wurde zu jener Zeit die gewerbsmäßigen Spieler verstanden,
oder jene Menschen, welche auf "Gewinnmachen" aus waren, auch Händler gemeint.


Bildarchiv HV Brake e.V.

1609

Die Herzöge von Jülich-Berg-Kleve-Mark sterben im Mannesstamm aus. Der Pfalzgraf bei Rhein und der Markgraf von Brandenburg erheben Ansprüche darauf. Die Grafschaft Ravensberg wird zunächst in einer „Gesamtherrschaft“ von beiden gemeinschaftlich verwaltet.

1600 -1648

1629 entbrannte in Schildesche der Religionsstreit erneut, weil im Zuge der Gegenreformation durch das Restitutionsedikt  überall im Reich katholische Verhältnisse wiederhergestellt werden sollten.

Dreißigjährige Krieg
– (1618 - 1648) trifft auch die Ortschaft Brake schwer: „… im Jahre 1636 stand der kaiserliche General von Vehlen mit 36 Regimentern zu Fuß und Pferde auf der Schildescher Heide und der Tödheide dem schwedischen General Lesslie gegenüber, der sein Lager vor Herford aufgeschlagen hatte. Sechs Wochen lang lagen die Heere dort und plünderten die Gegend rings umher aus“.

Chronik HV Brake e.V.

Katholiken und Protestanten sahen sich jeweils im Endkampf mit den Antichristen, jeweils der andersgläubig war. Je länger der Schrecken aber andauerte,  erkannten die Menschen, das mitnichten alles Unheil gottgewollt und gottgesandt ist, sondern Menschenwerk. Und dass auch nur die Menschen den Krieg beenden können. Eine Erkenntnis, die nach dreißig blutigen Jahren in den Westfälischen Frieden mündete.

Natürlich ging es bei diesem Krieg, wie bei allen anderen Kriegen danach, wo Glaubensfragen vermeindlich Ursache der Waffengänge gewesen sein sollten, nicht allein, nicht einmal primär um den rechten Glauben. Es ging immer um Macht und Einfluss. Deshalb mischten sich im dreißigjährigen Krieg eben in Deutschland und in Mitteleuropa Spanier, Dänen und Schweden ein. Es ging damals um die Rechte und Freiheiten von Fürsten, Städten und Reichsständen. 

Der Weg zur Aufklärung beginnt im Grauen des Dreißigjährigen Krieges.

Szene aus dem 30-Jährigen Krieg auf einem Gemälde von 1884 (Ernest Crofts) 

.

Der Galgenbaum – Darstellung von Kriegsgräueln nach Jacques Callot (1632)

In der Westfälischen Friedensordnung wurden dann erstmals Freiheitsrechte festgeschrieben, man könnte sagen, das "Wurzelwerk der Menschen- und Bürgerrechte". Die Bilanz des Dreißigjährigen Krieges ist also nicht total schwarz.

Im
Westfälischen Frieden wurde neben der katholischen und der lutherischen nun auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt. 

1647


Die Grafschaft Ravensberg, damit auch Brake, fällt an den Großen Kurfürsten von Brandenburg.

1672

In einem Religionsvergleich legen die Pfälzer und Brandenburger Grafen fest, dass das Damenstift Schildesche zu je einem Drittel evangelisch-lutherisch, katholisch und evangelisch-reformiert sein soll. Ein Jahr später erhielten die katholischen Kanonissen (Stiftsdamen) ein Drittel der Stiftsstellen zugesprochen und dazu 1 Pfarrer und zwei Vikare. 1688 wurde dann eine neue katholische Kirche in Schildesche (heutige neuapostolische Kirche) gebaut.

1673 & 1679

In den Kriegen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, u.a. gegen Ludwig XIV. (Frankreich), ziehen mehrfach die Heere durch Brake und Umgebung.

1721

Im Prästationsregister (ähnlich dem Urbar von 1556) werden für den Meyer zu Jerrendorf, dem Meyer zu Eissen und dem Halemeyer folgende Spanndienste festgelegt:

  • einer hatte für den Galgen der Richtstätte auf der Schildescher Heide das Holz zu liefern,
  • ein anderer den Galgen aufzubauen,
  • ein weiterer das Gericht auf seinem Fuhrwerk zu fahren.

1727

Die Gebrüder Rennebaum werden wegen Mordes auf der Schildeschen Heide hingerichtet. Der Meyer zu Jerrendorf ist bei der Errichtung des Galgens und des Rades beteiligt.

1741 

Der aufgeklärte Preußenkönig erläßt am 26.11.1741 eine Eigentumsordnung für das Fürstentum Minden und die Grafschaft Ravensberg. Darin sind enthalten die Regeln für das mittelalterliche Leibeigenschaftsverhältnis. Gleichzeitig konnten dadurch Übergriffe und unberechtigte Forderungen der Grundherren gerichtlich abgewehrt werden.
 

1756 - 1763

Der siebenjährige Krieg brachte wieder viel Not und Elend nach Brake. Die Grafschaft Ravensberg mit ihren Leinenreichtum fiel 1757 an die Franzosen.

1772 

Aufteilung der Marken und der Tödheide (1783) auf die Bauern. Dies bedeutete, dass Wald-, Wiesen- oder Heideflächen, welche bisher allen zur Verfügung standen (gemeideeigen), mit diesem königlichen Erlass den anreinenden Bauern zugeordnet wurden (heute würde man sagen "privatisiert" wurden), also in deren Privateigentum übergingen.

Ab 1772 findet der Schulunterricht für die Ortschaft Brake geordnet in einem kleinen Kotten des Kolon Maag statt. Es handelte sich um eine provisorisch zum Unterrichtsraum hergerichtete kleine Scheune. Dieses erste Braker Schulhaus an der heutigen Grafenheider Straße wurde 1962 abgerissen.


Bildarchiv HV Brake e.V.

30.06.1784

1784 wurde der Wefelshof neu gebaut. Davon zeugt eine Tafel im gegenwärtigen Bürgerbüro am Wefelshof.

 
Bildarchiv HV Brake e.V.

Bildarchiv HV Brake e.V.

Wefelshof, Teilansicht  -  Bildarchiv HV Brake e.V.

Der Sturz des Absolutismus und die Aufhebung adliger und klerikaler Privilegien in Frankreich durch die Französische Revolution 1789 blieb nicht ohne Folgen für das Heilige Römische Reich deutscher Nation (HRR). Frankreich wurde 1792 zur Republik erklärt.  

[Das HRR war kein Staat im heutigen Sinne. Vielmehr ein durch den Römisch-Deutschen König/ Kaiser beherrschter Dachverband zahlreicher Königreiche/Fürstentümer und deren Landesherren. Der Name des Reiches entstand durch das Begehren der Herrscher das antike Römische Imperium fortzusetzen und als dessen Nachfolger zu gelten. Zusätzlich wurde durch das Wort "Heilig" dargelegt, dass die Herrschaft durch die Gnade Gottes gewollt ist. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Zusatz "deutscher Nation" gebräuchlich, welcher die Nationalität der Bevölkerungsmehrheit symbolisiert.]

Recht schnell verbreitete sich über Rhein und Mosel die Kunde von der Aufhebung der Feudalrechte in Frankreich, zuerst in rheinnahen deutschen Landen, so auch nach OWL. 1790 kam es in Sachsen zu Bauernaufständen. Am konsequentesten wurden die neuen bürgerlichen Ideen „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ in der Mainzer Republik (März bis Juli 1793) umgesetzt.

Alle Aufstände wurden aber niedergeworfen. In den Ländern von Deutschland begann eine harsche Verfolgung von politischen Gegnern des Absolutismus.

Die Ideen der „Rebellen“ vom freien Bürger konnten aber nicht unterdrückt werden, wie sich zeigen wird. Dies betraf alle gesellschaftlichen Bereiche.

1798/99–1801/02
Im Zweiten Koalitionskrieg war Napoleon erfolgreich gegen Deutschland und seine Verbündeten.

Frühjahr 1803

Der Rhein wurde nun endgültig zur durchgehenden Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Dadurch verloren eine ganze Reihe der deutschen Kleinstaaten ihre linksrheinischen Territorien und forderten deshalb Entschädigung auf dem rechten Rheinufer. Als Entschädigung sollten den deutschen Ländern die Territorien aller geistlichen Fürstentümer und vieler kleiner Graf- und Herrschaften sowie die meisten Reichsstädte eingegliedert werden. Vom Beschluss profitierten mit einer starken Gebietsvergrößerung am meisten die süddeutschen und die westdeutschen Mittelstaaten sowie Preußen.

Die riesigen Besitztümer, vor allem der katholischen Kirche, wurden weltlichen Fürstentümern und Städten übereignet. Diese Säkularisation u. a. der Kirchenländereien und Klöster führte zur Schwächung der Positionen der Kirche in Deutschland. Dies sollte sich auch auf das Stift Schildesche auswirken und damit auf die Bauern von Brake.


                  5. August 1806 - Ende des
Heiligen Römischen Reiches 
deutscher Nation und Beginn der napoleonischen Fremdherrschaft 


06.08.1805

Kaiser Franz II. von Deutschland (aus dem Haus Habsburg) legte die Kaiserkrone für das HRR nieder, welche an Napoleon fiel, wodurch dieser Kaiser wurde. Dadurch endete das HRR schmachvoll. Franz II. blieb als Franz I. Kaiser von Österreich.

26.12.1805

Österreich schloss mit Frankreich in Pressburg Frieden, damit endete der 3. Koalitionskrieg. Er wurde ausgetragen zwischen Frankreich und seinen deutschen Verbündeten, insbesondere Württemberg, Bayern & Baden gegen die Alliierten Großbritannien, Russland, Schweden, Neapel & Österreich-Deutschland. Preußen verhielt sich neutral.


1806

Freiherr von Stein proklamierte durch preußische Reformen die „Bauernbefreiung“. Alle Bauern wurden ab 1807 von der Erbuntertänigkeit (Frondienst) befreit. Damit verbunden war eine freie Berufswahl für alle Bürger des Landes. Ein Bauer konnte nun auch in die Stadt ziehen und dort arbeiten. Das war vorher nicht möglich. Ein Bauer brauchte nun auch nicht mehr die Einwilligung seines Grundherrn zum Heiraten, wie zuvor.

7. und 9. Juli 1807

Tilsiter Frieden, Preußen verliert auch die Grafschaft Ravensberg mit Bielefeld und Brake an das durch den Bruder von Napoleon regierte Königreich Westphalen.

 

1810 

 

Am Tag vor Weihnachten wirkte sich die Reichsdeputationsverordnung von 1803 auf das Damenstift Schildesche aus, es wird aufgelöst.       Aus der Chronik von Schildesche dazu:
„Im gegenwärtigen Jahre wurde das hiesige Damenstift durch den Königlich Westphälischen Commissarius Beneke aus Cassel aufgehoben. Die Damen, der Amtmann, der Rentmeister und der Stifts-Diener wurden pensionirt. Die Geistlichen, welche vom Stift Revenuen bezogen, erhielten Entschädigungs-Gehälter. Die bisherigen Revenuen des Stifts zog der Staat zu sich. “

1811 ff

  • Der völlige Zusammenbruch Preußens, infolge der Niederlage gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt, machten Reformen unvermeidbar. Im Frieden von Tilsit verlor das Land etwa die Hälfte seiner Fläche. Dazu gehörten vor allem die Gebiete westlich der Elbe und die bei den letzten polnischen Teilungen annektierten Territorien. Damit war der altpreußische Staat faktisch untergegangen.
  • Zu den Reformen gehörten neben der Bauernbefreiung, die Staats- und Verwaltungsreform, Städte- und Kommunalreform, Steuer- und Zollreform sowie die Gewerbereform (-freiheit). Dies bedeutete Aufhebung des bisherigen Zunftzwang für Handwerker, welcher bis dahin insbesondere in den Städten galt. Die Förderung des freien Wettbewerbs bedeutete gleichzeitig den Wegfall aller Begrenzungen der Konkurrenz, welche bisher  durch vorgenannten Zunftzwang bestand.
  • Durch die Gewerbefreiheit entstanden auch in Brake ganz neue Berufe und Gewerke.
  • Das preußische Judenedikt stellte Menschen jüdischen Glaubens gleich den übrigen Bürgern.
  • Am 23.04.1811 stürtzte der sehr hohe Kirchturm der Stiftskirche Schildesche ein. Die Glocke von 1461 blieb wie durch ein Wunder erhalten.

Brake und umliegende Orte kommen zu Frankreich, Paris ist deren Hauptstadt. Das Königreich Westphalen wird von Napoleons Bruder Jerome (1807 bis 1813) regiert, da Westphalen Frankreichs Verbündeter war.

Brake um 1811: Da die Aa und der Johannisbach ab 1.1.1811 Staatsgrenze zwischen Frankreich und dem Königreich Westphalen bildete, denn alle Flächen westlich der Aa … gehörten weiterhin zum Königreich Westphalen, mussten die Braker ihren sonntäglichen Kirchgang in die nun im „westphälischen Ausland“ liegende Kirche von Schildesche unternehmen.
"Etwas anderes als bloß ein lästiges Kuriosum aber war es, dass die unfreiwilligen Franzosen (Braker Bürger/Bauern) nun auch noch mehr Steuern zahlen sollten als vordem in Westphalen und dafür (…) von ihren Nachbarn jenseits der Grenze auch noch verspottet wurden.“

1812 

Nach Napoleons gescheiterten Russlandfeldzug 1812 wurde die französische Vorherrschaft über Europa zunehmend zurückgedrängt. An diesem Napoleon-Feldzug beteiligten sich zahlreiche Soldaten der Rheinbundstaaten, von denen die meisten nicht mehr nach Hause zurückkehrten.

Russland, Preußen und Österreich verbündeten sich erneut und riefen zu den sogenannten
Befreiungskriegen auf.

Lützows wilde Jagd  (Erstfassung)

[Gedicht von Theodor Körner, das am 24. April 1813 im Zuge der Befreiungskriege in Leipzig auf dem Schneckenberge entstand und noch im gleichen Jahr in seinem Gedichtband Zwölf freie deutsche Gedichte erschien.] 
 

Theodor Körner 1813/4

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein,
Hör’s näher und näher brausen;
Es zieht sich herunter in düsteren Reih’n
Und gellende Hörner, sie schmettern drein,
Und erfüllen die Seele mit Graußen.
Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:
Es ist Lützows wilde verwegene Jagd

Was streift dort rasch durch den finstern Wald,
Was jaget von Bergen zu Bergen.
Es legt sich in nächtlichen Hinterhalt,
Das Hurrah jauchzet. Die Büchse knallt.
Es stürzen die fränkischen Schergen.
Und wenn ihr die schwarzen Jäger fragt:
Es ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Wo die Reben dort glühen, dort braußt der Rhein,
der … [Wütrich] geborgen sich meinte.
Was naht aber dort im Gewitterschein,
Und stürzt sich mit kräftigem Arm hinein,
Und springet ans Ufer der Feinde?
Und wenn ihr die schwarzen Schwimmer fragt
Es ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Was tobt dort im Thale die laute Schlacht,
Was schlagen die Schwerter zusammen!
Die schwarzen Kämpen schlagen die Schlacht
Und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht,
Und lodert in blutigen Flammen.
Und wenn ihr die schwarzen Kämpen fragt:
Es ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Was scheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht,
Unter tausend Feinde gebettet.
Es zuckt der Tod auf dem Angesicht,
Doch die muthigen Herzen erzittern nicht,
Das Vaterland ist ja gerettet!
Und wenn Ihr die schwarzen Gefallenen fragt:
Es ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Die wilde Jagd und die deutsche Jagd
auf … [Henkers]blut und Tyrannen.
Drum die Ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt!
Das Land ist ja frei und der Morgen tagt,
Wenn wir’s auch erst sterbend gewannen!
Und von Enkeln zu Enkeln sey’s nachgesagt:
Das war Lützows wilde verwegene Jagd.

Vertonung  "Bergsteigerchor Kurt Schlosser"

 


Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock 1813/1814
(nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester 
Emma Sophie Körner)

In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 kam es zur entscheidenden Wende in den Befreiungskriegen. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 war Leipzig Schauplatz der Völkerschlacht - 100.000 Tote.

Durch Napoleons Niederlage gegen Preußen, Österreich und Russland brach der Rheinbund schließlich auseinander. Die deutschen Staaten liefen zur Koalition über. Nachdem Napoleon aus Elba geflohen war, kam er im Frühjahr 1815 nach Frankreich zurück und herrschte für Hundert Tage. Die Schlacht bei Waterloo konnte seine Macht endgültig brechen. Damit gewannen die europäischen Fürsten und der Absolutismus wieder an Bedeutung.

1813

Nach den Befreiungskriegen fällt Brake, wie das ganze Königreich Westphalen, an Preußen. Brake selbst wird entsprechend der preußischen Verwaltungsreform bis 1930 dem Amt Schildesche zugeordnet.

Hof Guntemeyer

Bildarchiv HV Brake e.V.

Wie stark in Preußen liberale Gedanken unterdrückt wurden zeigt das Beispiel von Fritz Reuter. Über sein Lieblingsschulfach Turnen, populär durch den Turnvater Jahn, und seinen Lehrer Karl Horn (Mitglied der Lützower Jäger) begegnete Fritz Reuter den Ideen der Urburschenschaft. Dies bildete die Grundlage seiner demokratischen Gesinnung. Ab Mai 1832 studierte Fritz Reuter Jura in Jena. Dort wurde er am 13. Juli 1832 Mitglied der Allgemeinen Burschenschaft und schloss sich ihrer radikalen Richtung „Germania“ an. Am 31. Oktober 1833 wurde Fritz Reuter auf der Heimreise nach Stavenhagen in Berlin festgenommen.

 
Selbstbildnis von Fritz Reuter von 1830                        Lithographie von Josef Kriehuber nach Haertel

Er wurde am 4. August 1836 wegen „Teilnahme an hochverräterischen burschenschaftlichen Verbindungen in Jena und Majestätsbeleidigung“ zum Tode verurteilt. Am 28. Januar 1837 begnadigt zu 30 Jahren Festungshaft. Nochmals abgemildert, auf Betreiben des Großherzogs von Mecklenburg zu 8 Jahren. Reuter schrieb später in seinem Werk „Ut mine Festungstid“ zu seiner Haftzeit [10. Band seiner sämtlichen Werke, Seite 14]:
»Un wat hadden wi denn dahn? Nicks, gor nicks. Blot in uns’ Versammlungen un unner vir Ogen hadden wi von Ding’ redt, de jetzt up apne Strat fri utschrigt warden, von Dütschlands Friheit und Einigkeit. Äwer taum Handeln wiren wi tau swack, taum Schriwen tau dumm, dorum folgten wi de olle dütsche Mod’: wi redten blot doräwer.«
Eingeleitet wird das Werk mit einem Gedicht:


1821

  • Der Heuerling (billige Arbeitskraft für Bauern) Siebrasse aus Rabe zu Brake erkrankte im Februar 1821 an den „natürlichen Blattern“. Blattern, auch Pocken genannt, ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten mit hoher Ansteckungsgefahr und schneller Ausbreitung. In Brake brach diese Seuche aus.
  • Aus Brake wurde 1820 berichtet: „So schwer auch die Napoleonische Zeit auf dem Lande gelastet hatte, der schwerste Schlag stand dem Wirtschaftsleben in unserer Heimat noch bevor, als seit 1820 von England her Spinnmaschinen in Wettbewerb traten mit den fleißigen Spinnhänden und als das Leinen in der billigen Baumwollware eine scharfe Konkurrenz erwuchs. Es entstand eine Wirtschaftskrise, die manche Heuerlingsfamilie in Brake Not und Elend brachte. Sie übertrug sich auch auf die großen Bauern, welche ihre Produkte in der Stadt nicht mehr loswerden konnten oder zu niedrigen Preisen verschleudern mußten. Nicht wenige Bauernhöfe kamen in Schulden. Oft war ihr Besitzer des mühseligen Lebens hier überdrüssig, folgte dem Lockruf nach Amerika und wanderte aus."
typischer Kotten von Heuerlingen, hier zum Hof Guntemeyer gehörend

Bildarchiv HV Brake e.V.
  • Bauernhöfe in Brake um 1821  -  5o Hofstellen               (1721 - 36 Hofstellen)

         Die Größe der Höfe war 1821 wie folgt:   Meyer zu Jerrendorf 554 Morgen,
                                                                            Die kleinsten weniger als 10 Morgen.
                                     [4 Morgen = 1 ha, 1 ha = 10.000 qm (entspricht 100 m x 100 m, etwa so groß wie ein heutiger Sportplatz.]

  • Brake II = Unterbrake (5 Höfe), u. a. Pahmeyer kommt 1832 zum Kreis Herford. Bauer Pahmeyer fühlte sich bereits seit langer Zeit als Elverdisser Bürger, weil sein Hof rechts von der Aa lag, das übrige Brake links davon. Über die Aa gab es keine Brücke, somit hatte Pahmeyer keine Verbindung zum Braker Ortskern.


    Bildarchiv HV Brake e.V.

  • 30.04.1838, für Brake mit seinen 1.286 Einwohnern,  wurde die erste medizinische Fachkraft durch das Amt Schildesche approbiert. Es war Frau Cathrine Wemhöner. Der nächste studierte Arzt befand sich in Schildesche. Diese Einstellung war auf Grund des anhaltenden Bevölkerungswachstums notwendig geworden. Immerhin hatten nicht wenige Ehepaare damals um die 10 Kinder. (Um 1875 kamen Männer im Deutschen Reich über eine Lebenserwartung von gut 35 Jahren und Frauen von 38 Jahren nicht hinaus.) 

  • 1830: Bau der ersten gemeindeeigenen Schule in Brake, nach dem vorherigen privaten Provisorium. Es war 1 Klassenraum, Stall und Lehrerwohnung..

1. Brake Schule von 1772 – 1830 genutzt   -   Bildarchiv HV Brake e.V.

  • 1877/8 Anbau eines 2. Klassenraumes. Zerstörung durch Bomben November 1944

Der Bau von Schulen war notwendig, um Anschluss zu halten an die Entwicklung von Industrie und internationalen Handel. Durch Erfindungen wie der Dampfmaschine durch die Engländer Thomas Newcomen (1663 – 1729) zum Wasser heben in Bergwerken (atmosphärische Dampfmaschine) und James Watt (1736 - 1818) brach auch in Brake das Zeitalter an, welches man bezeichnen kann als Beginn der

I. Industrielle Revolution.

Die Menschen erkannten früh, dass schon erste industrielle Entwicklungen neue Arbeitsplätze in den Fabrikhallen schafften. Damit Deutschland in der Entwicklung nicht abgehängt werden konnte, war die Schaffung großer Teilstaaten durch Napoleon eigentlich ein Glücksfall und die „vom Stein – Reformen“ Voraussetzung, dass sich ein Industrieproletariat herausbilden konnte.

Durch eine rechtzeitige Umstellung auf die industrielle Produktionsform [Massenproduktion durch Maschinen startete circa 1800] gelang in und um Bielefeld die Anpassung an die neue Zeit. Allerdings konnte die neue mechanisierte Industrie nicht das Arbeitskräftepotential beschäftigten wie die alte Heimindustrie. Gerade in den Leinengebieten Westfalens waren deshalb der Pauperismus (Verelendung) und die Auswanderung der ländlichen Unterschichten nach Übersee eine verbreitete Erscheinung.

In diese industrielle Entwicklungsphase gehören auch die ersten Eisenbahnen, der Kohleabbau, die Schwerindustrie, die Dampfschifffahrt, die Tuchherstellung und der Textildruck. 

Die 1. Industrielle Revolution hatte die sozialen Verhältnisse auch in Brake deutlich verändert. Viele Menschen wurden arbeitslos und arm.

Chronik HV Brake e.V.
Medizinische Verbesserungen reduzierten die Geburtenrate und ließen die Bevölkerung explodieren. Dadurch wuchs die Anzahl der lohnabhängigen Arbeiter, welche in soziale Not verfielen. Symbolisch für die kritische Lage des Proletariats wurde der Schlesische Weberaufstand 1844. Hungerkrisen und Missernten zwischen 1846 und 1848 verschärften die Probleme nochmals. 

Bevölkerungsentwicklung von Brake 1772 – 1847


Chronik HV Brake e.V.
Die napoleonische Vorherrschaft über Europa wurde mit dem Wiener Kongress 1815 beendet. Europas Großmächte beschlossen die Restauration und stellten den Absolutismus wieder her. Napoleons liberale Erneuerungen wurden also größtenteils rückgängig gemacht. Die Herrschaft der Fürsten wurde wieder hergestellt und die liberalen und nationalen Forderungen des Bürgertums unterdrückt, ebenso die Proteste in der Zeit des Vormärz, die sich auf die Ideen der Aufklärung beriefen. Doch im März 1848 spitzte sich die Lage zu, als Deutschland und Europa eine flächendeckende Revolution erfasste - die bürgerlich - demokratischen Revolution von 1848.

Bis Juli 1849 wurde der erste Versuch, einen demokratischen, einheitlichen, deutschen Nationalstaat zu schaffen, von überwiegend preußischen und österreichischen Truppen mit militärischer Gewalt niedergeschlagen.

1844 - 1848    Bau der  Cöln – Mindener  Eisenbahn


Interessenten sahen große Vorteile in einer Verbindung zwischen dem Rheinland und der Weser mit einer Endstation in Minden, um von dort per Schiff eine Verbindung mit dem Seehafen Bremen zu nutzen. 

So wurden in der Grafschaft Ravensberg ab 1844 Ausschreibungen zur Beschaffung von Baumaterialien und Ausrüstungen durchgeführt, wie für mehrere 1.000 "Schiebkarren" [Schubkarren], Schwellen & Holz. 

Grundstückseigentümer, welche Flächen für den Bahnbau abtreten mußten wurden entschädigt. 

 

Brake: „Die Bauern wandten sich (…) mit aller Schärfe gegen dieses Unternehmen, in welchem sie den Ruin ihrer ganzen Existenz sahen. ...". Sie entfesselten einen sogenannten "Forkenkrieg" und wollten mit diesen einfachen landwirtschaftlichen Geräten Gleisanlagen zerstören, um den Bahnbau zu verhindern, was nicht gelang.

Auch die Arbeiter des Bahnstreckenbaus beschwerten sich wegen zu niedrigen Lohn bzw. zu hohe Akkord-Leistungsvorgaben und schlechter Arbeitsbedingungen. Verschiedene Tagesblätter berichteten über Unruhen der Eisenbahn-Arbeiter vom Bereich Schildesche (Viadukt) am 11.07.1845. 


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Bildarchiv HV Brake e.V 

Gegen die Eisenbahnarbeiter wurde, entsprechend der Ständeordnung/ Drei-Klassenwahlrecht von Preußen mit aller Härte der Klassenjustiz vorgegangen. Mit Bezug auf ein preußisches Gesetz vom 30.09.1836 wurden 23 Arbeiter wegen Teilnahme an Tumulten am 11. Juli 1846 und Zerstörung fremden Eigentums zu drastischen Haftstrafen zwischen 6 Wochen Gefängnis und 5 Jahren Zuchthaus rechtkräftig verurteilt. 

 

In Bielefeld stritt man hingegen über den Bahnhofsstandort.

Bereits vor der Eröffnung der Eisenbahnlinie wurden die Bauern an der Bahnstrecke durch Bekanntmachung darauf hingewiesen, dass Stroh Feuer fangen kann.


Traditionsbahn auf Braker Bahnhof 1991


Bildarchiv HV Brake e.V.

Bildarchiv HV Brake e.V.

Bildarchiv HV Brake e.V.

 

Ein bemerkenswertes Brückenbauwerk im Verlauf der Bahnstrecke Köln – Minden war und ist der Viadukt im Schildesche (Bielefeld). Das ursprüngliche Bauwerk wurde 1847 zweigleisig mit 28 Bögen fertiggestellt. Um den Zugverkehr trotz zu erwartender Bombadierungen im Verlauf des 2. Weltkrieges zu gewährleisten, wurde bereits 1941 mit der Vermessung einer Umgehungsstrecke begonnen, welche 1942 als Ersatz für den Viadukt gebaut wurde. Tatsächlich wurde der Viadukt durch die Alliierten Flugzeugverbände bombardiert. Der Personenverkehr bis 1965 über diese im Krieg gebaute Umfahrungsstrecke, die so genannte „Gummibahn“, umgeleitet.
 


Bildarchiv HV Brake e.V.

Schildescher Viadukt bei Brake heute


Bildarchiv HV Brake e.V.


Mit Eröffnung der Bahnlinie hatte dies auch Auswirkungen auf die Beförderung von Postsendungen, Reisegepäck und die Postreisenden, da auch die Bahn derartige Beförderungsleistungen anbot. 


Die Lebensverhältnisse Mitte des 19. Jahrhunderts

„Das wirtschaftliche Leben in Brake war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und auch noch einige Zeit darüber hinaus weitgehend von der Landwirtschaft geprägt, von Ackerbau und Viehzucht, sowie ganz wesentlich vom Leinengewebe. (…) Seit der Gewährung der Gewerbefreiheit hatten sich mehrere Handwerker in Brake niedergelassen, allerdings richteten diese sich noch größtenteils nach den Bedürfnissen und Erfordernissen in der Landwirtschaft. (…)
Wie die Menschen ihren Lebensunterhalt, mehr schlecht oft als recht, bestritten, geht aus der damaligen Gewerbestatistik hervor.“ 

Es gab: rund 50 Bauernhöfe mit 45 Knechten und 32 Mägden; 20 Webstühle im Vollerwerb, 123 Webstühle im überwiegend bäuerlichen Nebenerwerb; 4 Schneider, 3 Schuhmacher, 3 Tischler, 3 Schmiede, 1 Drechsler, 1 Kammacher, 4 Höcker [Krämer, Kaufmann] und 4 herumziehende Krämer.

Nach 1850 wurde der Boden immer stärker kultiviert, der Wald und das Brachland wich dem Ackerland. Es gab dann kein Brachland mehr, welches ursprünglich dem Ort den Namen verlieh. Im Ergebnis der Volkszählung von 1864 wohnten in Brake 1.119 Einwohner, davon 16 Katholiken. Es gab 128 Wohnhäuser.
Die Folgen der napoleonischen Zeit und die einsetzende Industriealisierung in den umliegenden Städten veränderten auch das Leben für die ländliche Bevölkerung. Spinnmaschinen machten es schwer, von Hand verarbeitetes Leinen abzusetzen.

Der Geist der Befreiungskriege und der Völkerschlacht zu Leipzig hat sich bei den Menschen gefestigt, dazu trugen auch die studentischen Burschenschaften und nationalistische Vereine bei. Veröffentlichungen in Zeitungen beförderten den Nationalstolz, aber auch den Nationalismus in der Bevölkerung. Man bereitete sich auf einen neuen Waffengang mit Frankreich vor, dem vermeintlichen deutschen Erzrivalen. 

Die Bevölkerung von Brake verdoppelte sich im Zeitraum 1864 (1.119 Ew.) bis 1910 (2.254 Ew.). Im benachbarten Bielefeld verfünffachte sich im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl sogar; 1864 (16.523 Ew.) bis 1910 (78.380 Ew.). Ursache dafür war vor allem die zunehmende Industrialisierung der Region und die „Landflucht“. Insbesondere das Industrieproletariat wuchs als neue soziale Klasse deshalb rasant schnell. 

Zwischen bürgerlicher Revolution 1848 und Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 wurden auch in Westphalen, wie international, die Ideen von Karl Marx & Friedrich Engels populär. Das „Kommunistische Manifest“ (1848) sowie der erste Band des „Kapitals“ von Marx/Engels gehören heute zum Weltkulturerbe - Liste des Weltdokumentenerbes. 
Infolge wurde in Deutschland 1866 die SADP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands) gegründet. Im Raum Bielefeld am 13. Juli 1868 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV), beide Vorläufer der SPD. Die SPD-Ortsgruppe Brake gehört bis 2018 zum Stadtverband Heepen. 

Ab 1861 gründeten sich für die Wahlen in Preußen, auch bürgerliche Parteien, die Deutsche Fortschrittspartei und die Nationalliberale Partei waren bedeutsam.

1869 wurde der 1811 eingestürtzte Kirchturm der Stiftskirche Schildesche durch einen Neubau im neugotischen Baustil ersetzt.

1883 erhält dann Brake eine eigene Bahnstation.



Bildarchiv HV Brake e.V.


1917 wurde im Rahmen des viergleisigen Ausbaus der Strecke eine weitgehend dem bestehenden Schildeschen Viadukt baugleiche Brücke daneben gestellt.

 

1861 wurde Otto von Bismarck Ministerpräsident von Preußen. Im deutschen Krieg von 1866 besiegte er Österreich. Der Deutsche Bund mit Österreich wurde aufgelöst. Stattdessen traten alle deutschen Staaten (Fürstentümer …) nördlich der Mainlinie dem Nordeutschen Bund bei, mit Bismarck als Bundeskanzler.

Bismarck arbeitete an der Vollendung der deutschen Einheit im kleindeutschen Sinne. Den Widerstand Frankreichs brach er im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Frankreich musste Elsass-Lothringen abtreten & hohe Reparationen zahlen. In patriotischer Begeisterung des gewonnenen Krieges schlossen sich die süddeutschen Staaten mit dem Norddeutschen Bund zum Deutschen Reich zusammen. 


In Versailles wurde am
18.01.1871 König Wilhelm I. von Preußen zum D
eutschen Kaiser ausgerufen. Welche Schmach für das französische Volk.

Die deutsche Einheit wurde durch Fürstenbeschluss hergestellt!
 

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