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Im Kaiserreich

Deutsches Kaiserreich 1871 - 1918

 

 
Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs war am 18. Januar 1871 der erste deutsche Nationalstaat entstanden, im Spiegelsaal von Versailles wurde der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ernannt. Das Kaiserreich war eine konstitutionelle Monarchie. Erster Kaiser war Wilhelm I., er setzte Otto von Bismarck als den ersten Reichskanzler ein, Sein konservativ-autoritäres Regiment stellte sich gegen den bürgerlichen Liberalismus und die parlamentarische Demokratie, 1878 erließ er ein Verbot der Sozialdemokratie. Gleichzeitig begründete er jedoch das deutsche Sozialversicherungssystem und sorgte damit für eine Verbesserung der Situation der Arbeiterschaft. Der notwendige gesellschaftliche und politische Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft wurde durch ihn jedoch verhindert. 

Außenpolitisch versuchte Bismarck, das Reich durch ein komplexes Bündnissystem abzusichern. In seine Amtszeit fiel auch der Einstieg in den überseeischen Imperialismus. Daraus folgten zunehmend internationale Interessenkonflikte mit anderen Kolonialmächten, insbesondere der Weltmacht Großbritannien. Bismarcks Politik in Bezug auf Kolonien fällt genau in die Zeit seiner um 1879 einsetzenden Schutzzollpolitik zur Sicherung der deutschen Wirtschaft gegen ausländische Konkurrenz. Unter Kaiser Wilhelm II. (1888–1918) versuchte Deutschland durch Erwerb von Handelsvertretungen seinen Kolonialbesitz auszubauen. Die wilhelminische Ära steht für eine schwärmerisch, nationalistische & expansionistische Politik und eine forcierte Aufrüstung, insbesondere der Kriegsmarine. Gleichzeitig nahm der Nationalstolz im Reich zu. Das Deutsche Reich beutete seine Kolonien in Übersee aus und errichtete dort Infrastruktur. So etwa Kamerun, Togo und Deutsch-Südwestafrika und diverse Inseln. 

Gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen (SPD), auf parlamentarischen Weg Verbesserungen für die Lebensbedingungen zu erzielen, wande sich der Bismark und der deutsche Kaiser energisch. Zwei erfolglose Attentate auf den  deutschen Kaiser Wilhelm I. in Mai/Juni 1978 waren Anlass für Bismark ein Sozialistengesetz [Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie] zu erarbeiten. Es wurde am 19. Oktober 1878 mit 221 zu 149 Stimmen vom Reichstag erlassen und galt von 1878 bis 1890. Das Gesetz verbot sozialistische, sozialdemokratische und kommunistische Vereine, Versammlungen und Schriften, deren Zweck der Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung sei. Aus dem Sozialistengesetz resultierte die Verlagerung sozialdemokratischer Aktivitäten in den Untergrund bzw. ins Ausland sowie Massenverhaftungen und -ausweisungen. Lediglich die Sozialdemokraten im Reichstag blieben aufgrund ihrer parlamentarischen Immunität unangetastet. Trotz der massiven Repressionspolitik war die Kandidatur und Wahl sozialdemokratischer Politiker als Privatpersonen weiterhin möglich und die einzige legale Möglichkeit zur politisch-rechtlichen Interessenvertretung.                          

15.08.1883
Brake erhält eine eigene Bahnstation, mehr ein Schuppen wie ein Bahnhof; vgl. Bild hier nachfolgend.
Die Braker Bürger haben sich diese Bahnstation selbst geschaffen, weil sie die Kosten dafür selbst aufbringen mußten und nicht die Bahngesellschaft.


Bildarchiv HV Brake e.V.

 

1885 Gründung der Feuerwehr Brake.
 


Bildarchiv HV Brake e.V.

 


Bildarchiv HV Brake e.V.

 


Bildarchiv HV Brake e.V.


1887-1890

  • Seit dem 1. November 1887 war in Brake eine 'Posthülfsstelle' eingerichtet, die ab dem 1. April des folgenden Jahres in eine Postagentur umgewandelt worden ist, welche sich direkt am Bahnhof im Gasthaus Segler befand.


Alte Post am Gasthaus Segler - heute Gasthof "Stellwerk" - Bildarchiv HV Brake e.V - 1971

  • Hinzu kam 1889 die erste Telefonverbindung zum Amt nach Schildesche.

  • Brake als Wohnort wurde ab diesemZeitpunkt auch für Auswärtige interessant. Bis dahin hatte allein der Bau der Cöln-Mindener-Eisenbahn auf die Einwohnerzahl kaum einen Einfluß gehabt; sie lag konstant bei 1.300 Bewohnern. Erst nach 1890 wuchs das Dorf innerhalb nur eines Jahrzehnts um gut 520 Personen auf  1.807 Einwohner im Jahr 1900. Der Bahnhof zeigte hier also erst spürbare Auswirkungen.

  • Gründung des Kriegerverein Brake.

  • Der 15. November 1890 ist der offizielle „Wieder-Gründungstermin“ der Bielefelder SPD nach dem "Sozialistengesetz .... ."  

Chronik Brake - Bildarchiv HV Brake e.V - 1971

1896

Gründung des Turn- und Sportvereins Brake.

1898

Zum Stand der sozialdemokratischen Bewegung, entsprechend den Verfügungen Nr. 1183 vom 20. Juni 1884 und Nummer 6019 vom 6. August 1898 berichtete der Amtmann der Ämter Schildesche - Jöllenbeck, daß die Sozialdemokraten bei der letzten Reichstagswahl einen Stimmenzuwachs verzeichnen konnten. Der Arbeiterverein Schildesche und Umgebung habe 186 Mitglieder. Ein Hauptgrund sei für diese Entwicklung "die geschickte Zusammenfassung der Arbeiter in Gewerkschaften, die sämtlich von Sozialdemokraten geleitet werden."

zwischen 1900 und 1910

01.01.1900Ein neues Jahrtausend bricht an!

Im deutschen Kaiserreich tritt das Bürgerliche Gesetzbuch "BGB" und die Neufassung des Handelsgesetzbuches "HGB" in Kraft.


05.01.1900


Für preußische Eisenbahner treten neue Dienstzeiten in Kraft. Lokomotivführer dürfen demnach nicht mehr wie 16 Stunden täglich arbeiten! Im Mittelpunkt des Kampfes der Gewerkschaften steht die Forderung nach einer gesetzlichen Höchstarbeitszeit. Im deutschen Kaiserreich ist in der Regel noch eine Arbeitszeit von täglich 10 - 12 Stunden üblich. Weitere Forderungen beziehen sich auf Einschränkung der Sonntagsarbeit und für ein Verbot der Frauenarbeit in der Schwerindustrie, sowie für Verbesserungen im Arbeitsschutz! Für gleiches Ziel, Verbesserung des Arbeitsschutzes, setzt sich die am 06.01.1900 in Berlin gegründete "Gesellschaft für soziale Reform" ein.
Karl Legin, , Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften, analysiert 1904 in einem Artikel in der "Neuen Zeit" den Charakter der Arbeitskämpfe im deutschen Reich wie folgt: 
"Mit Recht sehen diese Unternehmer in den gewerkschaftlichen Organisationen die Ursache des sich wandelnden Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeiter, und ihr Bestreben geht dahin, die Organisation unwirksam zu machen, ihre Tätigkeit lahmzulegen."

 

Deutsche Wahlen 1871 bis 1912

In Preußen bestand das Dreiklassenwahl-Wahlrecht. Die erste Klasse waren die am höchsten Besteuerten, sie umfasste 1908 nur 4% der Wähler, durfte aber so viele Wahlmänner (diese wählten die Abgeordneten) stellen wie die dritte Klasse mit rd. 82 % Prozent der Wähler. Dies benachteiligte  die SPD.



Chronik HV Brake e.V.

Chronik HV Brake e.V.
 

Erfolgsfaktoren in der zweiten industriellen Revolution waren die ersten Schritte der Globalisierung. Die Herstellung von Automobilen, Kleidung, Rohstoffe und Lebensmittel wurden automatisiert verarbeitet. Auch der Verkehr entwickelte sich weiter, indem erstmals über Kontinente transportiert wurde. Die Luftfahrt nahm ihren Betrieb auf und per Schiff konnten die Weltmeere überquert werden.

 

Brake im Wandel vom  Bauerndorf  zum  Industrievorort von Bielefeld 

 

Seit 1890 waren auch in Brake mehrere Industriewerke entstanden. Einige davon sind schnell wieder in Konkurs gangen, andere überlebten. Die sichtbaren Fortschritte im gewerblich-industriellen Bereich Brakes haben den Ort allmählich verändert, genauso wie die Bevölkerungsstruktur. Bildeten anfangs Landwirte, Hausweber und einige selbständige Handwerker die innerörtliche Beschäftigungsstruktur, so sah dies 1921 schon ganz anders aus. Die Industriearbeiterschaft war nun prozentual die weitaus größte Gruppe, gefolgt von den Angestellten und Beamten. Aus der Landgemeinde Brake war eine Arbeiterwohngemeinde geworden, in der sich mehr und mehr städtischer Einfluss bemerkbar machte.

1902

Am 13.01.1902 wird in Berlin die erste Volkshochschule gegründet. Damit soll der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben werden sich mit den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut zu machen. Bereits bei Gründung nahmen 1.000 Menschen an den Kursen teil, also ein großes Interesse.

Neugründung der FFW – Freiwillige Feuerwehr Brake.


"Löscheinsatz damals". Mannschaft und Gerät der

Freiwilligen Feuerwehr Brake vor dem Gerätehaus, Bild von 1926"
Bildarchiv HV Brake e.V.

1903

Seit dem 01.01.1903 wird im Deutschen Reich, Österreich und der Schweitz eine neu vereinbarte Rechtschreibung einheitlich angewendet, auf der Basis des Wörterbuches und dessen Regeln von Konrad Duden aus dem Jahr 1880. Beispielsweise fällt das übliche "th" in vielen Fällen weg. Die "ie" Schreibweise wird eingeführt. Das französische "c" wird durch "z" ersetzt. Dies hatte natürlich Auswirkungen auf den Schulbetrieb in Brake. 

Am 31.01.1903 tritt ein Gesetz der gewerblichen Kinderarbeit in Deutschland in Kraft. Danach dürfen eigene Kinder bereits ab 10 Jahre alle Arbeiten, mit wenigen Ausnahmen verrichten, bei großzügiger Auslegung der Arbeitszeiten. Folge war, arbeitende Kinder waren zu müde für die Schule. Es traf wieder mal die Arbeiterkinder, wo das Familieneinkommen nicht zum Leben reichte und so die Kinder mitarbeiten mußten. Konsequenz, damit wurde noch mehr Kindern der Zugang zur höheren Bildung verschlossen. Ab 01.01.1906 wird dieses Gesetz weiter glockert, so dürfen Kinder in elterlichen Betrieben bereits ab vollendeten 9. Lebensjahr arbeiten.

Gründung des Arbeiterbildungsvereins Brake – Vorläufer der SPD

In der Zeit des Sozialistengesetz von 1878 bis 1890 im Deutschen Reich erhielten die Arbeiterbildungsvereine großen Zulauf. Unter der äußerlichen Form von Gesangs-, Lese- und Sportvereinen wurde das sozialistische Gedankengut weitergegeben und der politische Zusammenhalt der Arbeiter so gesichert. Das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verbot sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Vereine, Versammlungen und Schriften, deren Zweck der Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung sei. Aus dem Sozialistengesetz resultierte die Verlagerung sozialdemokratischer Aktivitäten in den Untergrund bzw. ins Ausland sowie Massenverhaftungen und -ausweisungen. Nach dem Ende des Sozialistengesetzes verloren die Arbeiterbildungsvereine ihre politische Bedeutung im engeren Sinn und wurden zu Organisationen, die ihren Schwerpunkt tatsächlich in der Bildungsarbeit hatten. Indirekt hatte ihre Ausrichtung aber durchaus auch politische Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten des Kaiserreichs und während der Weimarer Republik waren die Arbeitervereine ein wichtiger Bestandteil des breit gefächerten sozialdemokratischen Vereinswesens. Neben der nach wie vor wichtigen allgemeinen und fachlichen Bildung, trugen sie durch Vermittlung des sozialistischen Weltbildes zur Reproduktion des Milieus über Generationen bei. In dieser Zeit hatten auch Frauen und Mädchen Zugang zu den Arbeiterbildungsvereinen.

1905

Verschiedenes, entnommen der "Volkswacht" vom 28.07.1905 ff: 

  • zur vorgenannte Volksversammlung:

  • vom 17.07.1905:
  • vom 17.07.1905:

18. August 1905
Der Radfahrerverein Brake feiert am 20. August 1905 sein 8. Stiftungsfest in eigens dazu erbauten Zelten ... Besonders war der Festzug ... sehr imposant, da der Preis-Blumenkorso von Herolden auf dekorierten Motorrädern angeführt wurde. An dem Preis-Reigenfahren hatten sich auch einige Damen beteiligt.

Weitere Zeitungsmeldungen 1905

     

Aus der Braker Arbeiterbewegung

1906

13. August 1906

Trotz aufgehobenen "Sozialisengesetz" (1878 - 1890) währte die staatliche Überwachung des kaiserlichen Staates fort, wie nachfolgendes Zitat aus einem Bericht des Schildeschen Amtmannes Brendel an den Bielefelder Landrat belegt, entsprechend der Verfügung vom 10.03.1900 - Nr. 15:
"... Sozialdemokratischen-Verein ... Es sind nunmehr im hiesigem Bezirk ... die drei Ortsvereine Schildesche, Gellershagen und Brake gebildet worden.
In der Mitgliederzahl dieser Ortsvereine ist ein steter Zuwachs zu beobachten. In sämtlichen Versammlungen, bei denen zeitgemäße Vorträge, welche stets auf den Umsturz hinzuwirken geeignet sind, gehalten worden, sind in den meisten Fällen gut besucht. Auch wird ... die sozialdemokratische Zeitschrift, die Bielefelder Volkswacht, in empfehlende Erinnerung gebracht.
Die diesjährigen Maifeiern fand in den Vereinslokalen der drei bestehenden Ortsvereine ... statt ... An diesen Versammlungen beteiligten sich  insgesam etwa 1.200 Personen ... .
Außerdem fanden am 21. Januar, sowie am 18. März d. Js. in den Vereinslokalen Wahlrechtsdemonstrationen statt, an welchen an jedem der beiden Tage etwa 600 Personen ... befanden. ... herrschte absolute Ruhe und wurde Anlaß zu polizeilichem Einschreiten nicht gegeben. Zu den sogenannten 'roten Sonntagen' am 
21. Januar und 18. März d. Jhrs. sind Flugblätter  in ganz unauffälliger Weise verteilt worden. ... 1
Anarchist ist hier ansässig, tritt in keiner Weise hervor."
7 Jahre später hieß es im gleigearteten Bericht vom 14. August 1913:

"... Die starke Bevölkerung der einzelnen Gemeinden  durch sozialdemokratische Elemente erklärt sich aus der Lage des Amtsbezirks, denn die in Bielefeld arbeitenden Leute .......... und alles was sich Arbeiter nennt, muß auch Sozialdemokrat sein." 

 

Dem Landrat Bielefeld-Land wurde vom Vorsitzenden des Gewerbegerichts Bielefeld-Land am 05.10.1906 berichtet:
"... Kenntnis von dem Streike erhielt ich durch eine Prozesssache ... worin 4 Tischler , die streikten, von der Firma Gebr. Kreimeyer den rückständigen Lohn forderten, den die Firma verweigerte, weil die Tischler unter Kontraktbruch die Arbeit sofort niedergelegt hatten und die Firma den ihr dadurch entstandenen Schaden auf den Lohn der bezüglichen Arbeiter aufrechnete.
Der Streik, der schon seit dem 15. März bestand, schien zu Einigungsverhandlungen reif ...
... Einigungsverhandlungstermin ... Einigung ist zustande gekommen. ... ersucht, die Ämter anzuweisen, dass diese mir von jedem Streik größeren Umfangs zwecks Einleitung von Verhandlungen sofort Mitteilung zu machen."


Einigung vom 04.11.1906 sah so aus:

  1. Die Firma stellt unter den alten Bedingungen am Montag den 9.11.1906   ... sechs Arbeiter wieder ein ... Die übrigen sieben ... Arbeinehmer werden je nach Mehrung der Auftragslage ... successive und gleichfalls unter den alten Bedingungen wieder zur Arbeit eingestellt. ...
  2. Der verdiente Lohn wird allen Arbeitern ausgezahlt.
  3. Es finden keine Massregelungen von beiden Seiten statt.

1907

  • Gründungsversammlung des Kirchbauvereins

  • Nationalistisch geprägte Stimmung fasste auch in Brake Fuß. Dies macht auch ein anonymer denunzierender Beschwerdebrief vom 31. Juli 1907 aus Brake an das königliche Landratsamt Bielefeld deutlich: „In Brake herrscht großes Aufsehen, dass das Kriegerfest in den Lokalitäten und Saale des Herrn Hermann Rüggesiek in Brake gefeiert werden soll, zudem doch das Rüggesieksche Lokal dem Militär verboten ist und es ist dort auch ein Sozialdemokratischer Turnverein, auch werden an Ort und Stelle Sozialdemokratische Versammlungen abgehalten, wie jetzt zum Beispiel der Näherinnenverband. Ich bitte deshalb um Aufklärung, denn hier bleibt Sinn und Verstand stehen …“

  • Im November 1907 zieht der erste Sozialdemokrat in den Braker Gemeinderat ein.

1908

  • Gründung des Posaunenchors

Bildarchiv HV Brake e.V.
  • Neues Reichsvereinsgesetz, lässt Frauen zu politischen Vereinen zu. 
  • Brake, 2. September 1908. Wofür es vom Amt Schildesche Strafmandate gibt. Am 27. Juli, dem Schützenfestmontag, machten sich hier eine Anzahl junger Arbeiter, welche ja sonst nichts zu tun hatten, einen Spaß. In der Meinung, was Bielefeld  erlaubt sei, könne sich Brake immer noch leisten, konstituierten sie sich als "Braker Schützengesellschaft", wählten einen König samt Königin, setzten die Majestäten auf ein Hundefuhrwerk und zogen so im Triumph durch das Amt Schildesche. Aber die Polizei von Schildesche wachte. Sie erfaßte mit scharfen Auge  und Verstande in dem schützenmajestätsbeleidigenden Treiben die drohende Gefahr für das Amt Schildesche und unmittelbar darauf mit starkem Arme die Delinquenten selbst, um sie sistierenderweise unschädlich zu machen. Das schließliche Resultat waren nun Strafmandate für die Braker Schützenbrüder folgenden Inhalts: "Sie haben pp dadurch großen Unfug verübt, daß Sie sich in Begleitung einer Rotte Radfahrer unter Mitführung eines bekränzten Hundewagens pp. johlend und lärmend durch die Dorfstraße zogen." Eine höfliche Aufforderung, 15 Mk. zu berappen, war dieser Kritik des Festzuges beigefügt. ... Immerhin, eins ist durch das Inslebentreten der Braker Schützengesellschaft bewiesen, weder an Humor, noch an Sprachgewandheit besitzt das Amt Schildesche Überfluß. 

  • Bürger Rüggesiek baute bei seinem Gasthof einen Industriebetrieb, in dem u.a. eine Sattelfabrik untergebracht war.

2 alte Ansichtskarten des Gasthofes  -  Bildarchiv HV Brake e.V.
  • Gründung der Plüschfabrik Meier & Sternberg (später Wiko-Lederwaren),

  • Gründung einer Zigarrenfabrik

  • mehrere kleine Handwerksbetriebe (Stellmacher,Tischler, Schneider, Schuhmacher und Schmiede) entstanden.

  • Ein SPD-Wahlplakat "Die Front gegen rechts" vom 18.01,1902 

  • 1. April 1905 Gründung der "Braker Friedhofsvereinigung zu Brake bei Bielefeld" mit dem Ziel ein Begräbnisplatz in Brake zu errichten. Bis dahin erfolgten die Bestattungen Braker Bürger auf dem Friedhof in Schildesche. Dies bedeutete für die Trauergemeinde jeweils ein Fußmarsch von einer guten Stunde, üblicherweise zumeist in unbequemen Holzschuhen.

  • Am 2. November wurde ein kleiner Privat-Friedhof am Kerksiekweg eingeweiht.

  • In diesem Braker Schul-Klassenraum wurde auch der Gottesdienst von 1907 - 13.06.1909 abgehalten.

 
Bildarchiv HV Brake e.V.

1909

Bau der evangelischen Kirche, Kirchgänge nach Schildesche über Kirchweg/Kerksiek entfallen.

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Bildarchiv HV Brake e.V.

Kircheninnenraum  -  Bildarchiv HV Brake e.V. 

Pastor Patt stellte in seiner Festschrift zur Einweihung der Braker Kirche fest, "Die Kirche in Schildesche genügte" bisher "für schildesche und Brake." und stellte die Frage an die Kirchgemeinde:

Muß es im Jahr 1909 anders sein?

und beantwortete diese Frage selbst so, welche gleichzeitig eine kleine Geschichts- und Milieulexion war:

 

                                     fördern."

01.07.1910 Meldung der SPD-Zeitung Volkswacht zur Kommunalwahl
Errungene Abgeordneten Mandate in den letzten Wahl zu den Stadtverordneten- bzw. Gemeindevertreterversammlungen:
                           Anzahl der gewählten Abgeordneten          Am 1.6.1910          SPD-Ortsvereins
Ort                       dritte Klasse          zweite Klasse            SPD - Mitglieder      Gründungsdatum
Bielefeld                          15                        -                            2.755                 15.11.1890
Brake                                 1                         -                                47                 15.11.1903
Brakwede                          6                         -                              415                 07.12.1890
Gellershagen                     3                         2                              444                 01.01.1906
Heepen                              2                         -                               105                10.12.1905
Quelle                                2                         -                                80                 15.12.1901
Schildesche                        4                        1                              600                         1895
Bauernschaft Schildesche    2                      1                                -                        -
Sieker                                 4                        -                               386                08.08.1891
Berentrup-Hoberge            1                      -

1911

 

Zeitungsberichte vom 16.01.1911:

  • In der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag gege 3:30 Uhr morgens brannte der vor zwei Jahren erbaute alleinstehende Laden für Bücher, Schreib- und Spielwarendes Herrn Carl Ellermann, an der Chaussee vom Bahnhofe nach der Kirche gelegen, vollständig nieder.

  • Der Ausbau des sogenannten Kerksiekweges hier schreitet rüstig fort. ... Durch Fertigstellung dieses Weges ist das ganze Kerksiek aufs beste mit dem Bahnhofe verbunden.

Ein örtliches Braker Problem vom 19.01.1911: 


12.06.1912

Bildarchiv HV Brake e.V.
  • Brake wird elektrifiziert, Voraussetzung für weiteren Wirtschaftsaufschwung im Ort.
  • Information des Amtmanns von Schildesche-Jöllenbeck an den Bielefelder Landrat vom 20. August 1912 zum Stand der Fertigstellung des Schulneubaues und Vorbereitung des Baus eines Gemeindehauses in Brake an der Kirche:

1914

  • Gastwirt Rüggessiek sein Garten soll enteignet werden, mehrere Bürger protestierten dagegen, weil dadurch die Durchführung traditioneller Feste gefährdet seien. 

  • Statt des bisherigen Schuppen erhält Brake einen stattlichen Bahnhof

Braker Bahnhof von 1914 & unten um 2000  -  Bildarchiv HV Brake e.V.


  • Beginn vierspurigen Ausbau der Eisenbahn mit 2. Viadukt Schildesche und Bau der Eisenbahnunterführung

Bildarchiv HV Brake e.V.

 
Die deutschen Soldaten und Arbeiter waren 1918 kriegsmüde und revoltierten gegen die kaiserliche Obrigkeit. Der Befehl vom 24. Oktober zum Auslaufen der Flotte gegen England wurde mit einer Matrosenmeuterei in Wilhelmshaven (30. Oktober) beantwortet. Der Aufstand der Matrosen verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Es bildeten sich Soldaten- und Arbeiterräte, die "Novemberrevolution" griff damit auf das gesamte Reich über. Am 7. und 8. November wurden in München und Braunschweig Republiken ausgerufen, der bayerische König Ludwig III. verzichtete auf den Thron. Auch in den übrigen deutschen Staaten dankten in den nächsten Tagen alle Monarchen ab.

Der Erste Weltkrieg  1914 - 1918

Nationale Kriegsbegeisterung wächst – auch in Brake.

Der 1. Weltkrieg begann mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914 wurde zum Anlass genommen.

Er endete am 11. November 1918 durch die Novemberrevolution. 

Wichtige Kriegsbeteiligte waren Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie anderseits die siegreiche Koalition mit Frankreich, Großbritannien & seinem Commonwealth-Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und den USA. 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, insgesamt standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen. Die Menschen in Deutschland, auch in Brake, sahen den Krieg als gerecht an, als einen Verteidigungskrieg. Deutschland war aber nicht angegriffen worden. Dennoch waren viele Menschen der Auffassung sich verteidigen zu müssen.

Das Hegemoniestreben Deutschlands in Europa bescherte der Welt 17 Mio. Todesopfer, darunter 2 Mio deutsche Soldaten.

Im Kriegsverlauf wurden immer mehr Frauen und Mädchen, Kriegsgefangene sowie deutsche Kolonien zur Aufrechterhaltung der Kriegsgüterproduktion herangezogen.

Im Winter 1917 wurde beispielsweise ein Bedarf von 272 Zentner Steckrüben beim Amt Schildesche für 520 notleidende Braker angemeldet.

Novemberrevolution 1918  – Ende des  1. Weltkrieges und des deutschen Kaiserreiches

Aus Furcht vor sowjetischen Verhältnissen (Oktoberrevolution), entschlossen sich die Machthaber zu spontanem Handeln. Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete in Berlin die Abdankung des Kaisers, seinen eigenen Rücktritt und die Übergabe der Geschäfte an Friedrich Ebert, seit 1913 Vorsitzender der SPD, der stärksten Partei im Reichstag,

Das Kaiserreich endete durch die Novemberrevolution 1918 und wurde durch die "Weimaer Republik" abgelöst.

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