Ein Hinweis an Nutzer von mobilen Geräten, Unterseiten bitte ein 2. Mal öffnen [Kreis mit 3 Strichen dazu nutzen]. Danke für Ihr Verständnis.

1918 bis 1945

Von der Novemberrevolution 1918 und der "Weimaer Republik"  bis zum Ende des 2. Weltkrieges 1945


Die Folgen des 1. Weltkrieges machten sich auch in Brake bemerkbar. Die 94 Gefallenen hinterließen Lücken in der Einwohnerschaft. Es herrschte Not und Elend.

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes in Compiègne am 11. November 1918 durch Matthias Erzberger und Ferdinand Foch (Kriegsende 1. Weltkrieg) wurde der Rat der Volksbeauftragten in Berlin mit dem Aufruf "An das deutsche Volk" am 12. November 1918 gesetzgeberisch tätig.

Dieser Aufruf bedeutete einen erheblichen Schritt in Richtung einer neuen, demokratischen Gesellschaftsordnung. Im zweiten Teil des Aufrufs wurde das "mit Gesetzeskraft" von da an geltende Recht verkündet. Wichtige Punkte waren z.B. die Meinungsfreiheit (Punkt vier) und die Religionsfreiheit (Punkt fünf). Am Ende der Erklärung stand die Ankündigung eines neuen Wahlrechts: 

"Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen".

Die ersten Wahlen für und mit Frauen

Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz   auch mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft.

Am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden, denn am 19. Januar 1919 fanden allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung statt. 300 Frauen kandidierten. 37 Frauen - insgesamt gab es 423 Abgeordnete - wurden schließlich gewählt. Auch wenn die Wählerinnen in ihrer Mehrzahl den konservativen Parteien ihre Stimme gaben, waren die meisten weiblichen Abgeordneten doch in den Reihen der SPD zu finden.

Die bürgerlichen Parteien stellten nur wenige Frauen zur Wahl auf. Altes Denken herrschte noch im Bürgertum vor. Dies war ebenso ein Ausdruck dafür, dass 
der Parlamentarismus der Weimarer Demokratie einer von Klassen und Sozialmilieus stark geprägten und zersplitterten Parteienlandschaft war. Die Interessen des eigenen Wählerklientel hatte den Vorrang vor der Bereitschaft Kompromisse zu schließen. Dies war auch ein Erbe der Kaiserzeit und wirkte fort. Anderseits entwickelte sich sehr rasch in den 1920er Jahren eine konsum- und freizeitorientierte Massenkultur, als deren Triebkräfte neue Medien wirkten: Schallplatte, Film und Rundfunk.

1918
Eröffnung einer „Unterempfangsstelle“ der Bielefelder Kreissparkasse in Brake.

1919
Gründung des Braker Reichsbundes mit dem Ziel der Kriegsopferhilfe.

1920
August Rixe und sein Kompagnon Robert Meyer, beides Schlosser, gründeten 1920 die „Rixe & Meyer Maschinen- und Fahrradfabrik“. Die Fahrradproduktion nahm man 1923 auf. Von Beginn an wurde zumindest bei den wichtigen Teilen wie Rahmen, Gabeln und Hauptlager auf eigene Produkte gesetzt, um die Qualität im Griff zu behalten. Anbauteile wie Lenker, Naben u.a. wurden von renommierten Firmen des Marktes bezogen. So ist die Fertigungstiefe bei Rixe zwar über das Ganze betrachtet relativ niedrig gewesen, aber bei den entscheidenden Teilen fast 100%. Rixe übernahm sogar Aufträge für andere kleine Hersteller zur Produktion von Rahmen und Lagern. Rixe firmiert mit Handelsregistereintrag von 28.8.1924 als Rixe & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung [Link zur Internetseite von www.sonnengelber.de - eine Fan-/Sammlerseite zu RIXE]. Gleichzeitig wurde 1924 ein Erweiterungsbau realisiert. 1984 endet die Unternehmensgeschichte. (Bilder: Werksgebäude alt und saniert)


Bildarchiv HV Brake e.V.


Bildarchiv HV Brake e.V.

   
Bildarchiv HV Brake e.V.


Am 14.7. 1924 wird der Markennamen "RIXE & CO." zum Markenschutz beantragt und mit Datum vom 5.1.1925 ins deutsche Markenregister eingetragen.

Der Kampf der Parteien um die Köpfe und Stimmen von Frauen bei den Wahlen, nachdem das Frauenwahlrecht seit 1,5 Jahren bestand, entbrannte auch mächtig im kleinen westfälischen Ort Brake zur Kommunahlwahl am 02.03.1919. Dies belegt nachfolgende kleine Pressenotiz:

Bildarchiv HV Brake e.V.

1921

Die Gemeinde Brake erwarb den Wefelshof von der Erbengemeinschaft Hackemack. Der Kauf dieses Hofes hat die spätere Entwicklung von Brake stark geprägt. Ländereien konnten zur Wohn- und Siedlungsbebauung genutzt werden. 


1921 - 1923


Der Bielefelder Unternehmer Dürkopp bebaut ein Gelände an der heutigen Braker Straße in Bahnhofsnähe mit 30 Wohnhäusern [Werkswohnungen - Dürkoppsiedlung (-kolonie), nachfolgendes Bild]. Das Gelände hatte er ursprünglich 1900 zur Firmenansiedlung erworben. Die Häuser wurden 1933 weiter verkauft.


Bildarchiv HV Brake e.V.

1921 - 1922

  • Am Kerksiekweg entstand die Papierfabrik Konrad Külken. Die Fabrik ging schnell pleite, danach übernahm die Firma Rixe diese Gebäude. Die Gebäude wurden 1935 zum Arbeitslager.

  • Der Veilchenclub entsteht, Mitglieder sind Frauen, welche sich mit Handarbeit beschäftigen.

1923
An die Polizeiverwaltung Schildesche wurde am 22. 11. 1923 aus dem Braker "Jägeramt" gemeldet:
  • am 17.11.1923 sind alle dem Metallarbeiterverband angeschlossenen 169 Arbeiter der "Bielefelder Sattelwerke" in Brake wegen Lohndifferenzen in Streik getreten.

  • in der Kartonagenabteilungen des selben Werkes wird gearbeitet.

  • am 19.03.1923 sind 21 Metallarbeiter der Fahrradfabrik August Rixe, Brake aus gleichen Grund in den Streik getreten

  • in der Amaturenfabrik von Anton & Richter, Brake streiken deshalb seit 22.03.1923 10 Arbeiter, alle übrigen Beschäftigten wurden unternehmensseitig wegen Auftragsmangel schon vorher entlassen. 

Das Gewerbeaufsichtsamt Bielefeld schrieb an den Regierungspräsidenten in Minden zur Firma Rixe am 02.11.1923: 
Die Firma Rixe ... ein kleiner im Jahr 1920 in Brake entstandener, handwerksmäßig gearteter (der Inhaber arbeitet mit) Betrieb, der Fahrradteile herstellt. Die Arbeiterzahl hat sich von 8 im Jahre 1920 bis auf 28 in diesem Jahr vergrößert. Als Angestellter ist nur eine Person anzusehen. Bisher ist noch keinem Arbeiter gekündigt worden, die Kündigungsfrist ist eine eintägige. Die Geschäftsschwierigkeit ist in dem völligen Absatzmangel begründet.

1926

  • August Rixe stirbt im Alter von nur 47 Jahren. Heinrich Oberschelp übernimmt die Geschäftsführung bis zu seinem Tod 1981. Gleichzeitig war er von 1933 bis 1943 Präsident der Bielefelder Industrie- und Handels-kammer gewesen, was ihm und der Firma unter den Nazis große Vorteile ermöglicht > Einstufung als kriegswichtiger Rüstungsbetrieb und Zuweisung von Zwangsarbeitern.

  • Gründung des Männergesangsvereins (MGV), vereinigte sich 1946 mit dem 1933 verbotenen Gemischten Chor zum „Gemischten Chor und M. G. V. Brake“; Namensänderung 1982 in „Chorgemeinschaft Brake“ und 2002 erfolgt die Fusion mit dem Schildeschen Chor zur „Chorgemeinschaft Brake-Schildesche“.

  • Im Kreis Bielefeld werden Ortsgruppen der NSDAP und Hitlerjugend gebildet.

    Wissenswertes:


Bildarchiv HV Brake e.V.

Kommunales 1928:
  • Die Gemeindevertretung Brake hatte Bedenken gegen die Umsetzung des Landgemeindegesetzes, wonach die Ämter, auch das von Schildesche, rationeller zu ordnen seien. In Brake bestand der Wunsch, man möge so weiter arbeiten wie bisher.
  • Mit dem Bielefelder Konsumverein, dem Kaufmann Schnelle und dem Gärtner Diekwisch, die in der Nähe des Bahhofes ein Baugrundstücke besaßen wurde eine Vertrag zur Herstellung eines Entwässerungskanales geschlossen.
  • Die Gemeinde-Jahresrechnung 1926 wurde mit einem Überschuß von 15.929,53 Reichsmark bestätigt.

  • Die Straßenbeleuchtung sollte weiter ausgebaut werden.

  • Brake wurden mit o.G. Gesetz Teile des Gemeindegebietes von Schildesche zugeordnet, deshalb soll die neu zu errichtende Kläranlage auch dieses Gemeindegebiet mit erfassen und in dessen Nähe gebaut werden.

  • Die Mittel des Haushaltplanes 1928 wurden um 3.000 Reichsmark erhöht, weil durch zunehmenden Autoverkehr der Wegebau dringend erforderlich wurde.

  • Amtsfeuerwehrverbandsfest Schildesche in Brake - 30. Juli 1928 - starke Beteiligung der Bürger.

  • 19. November 1928: Festveranstaltung zum 25-jähriges Bestehen der SPD-Ortsgruppe

Aufregendes aus Brake vom 04.10.1929:
In der Nacht des 04.05.1929 wurde im Gasthof Welscher, Herforderstrasse in Brake, ein Raubüberfall verübt. Der Räuber hat vom Garten aus eine Fensterscheibe zertrümmert und ist durch das Fenster eingestiegen. In aller Gemütsruhe trank er ein Glas Bier und einen Kognak. Er durchschnitt die Telefondrähte, durchsuchte die Gaststätte legte sich Tischdecken um die Schuhe und stieg hoch ins Schlafzimmer des 60-jährigen Gastwirt Welscher. Der Räuber schlug den langsam wachwerdenden Gastwirt mit einer Flasche. Welscher sprang dennoch auf, griff nach dem an der Wand hängenden Jagdgewehr und rief um Hilfe. Der Räuber ergriff die Flucht und nahm Welschers Hose samt Portemonnaie mit 280 Mark mit. 


Braker Impressionen aus der Zeit der Weimaer Republik

Blick auf die Bahnhofstr. (heutige Braker Str.)  - Bildarchiv HV Brake e.V.
Cholorierte Ansicht Brake
Typische Züge - Dampflok betrieben - aktuelles Bild:
Bildarchiv HV Brake e.V.
Straßenansicht   -   Bildarchiv HV Brake e.V.

1930

  • Im Zuge einer Verwaltungsreform wird Schildesche am 1.10.1930 in den Kreis Bielefeld eingemeindet. Dies hatte zur Folge, dass der Ort Brake dem Amt Heepen zugeordnet werden mußte. Gleichzeitig wurden einige Schildesche Bauernhöfe und Baumheide in Brake eingemeindet.

  • Die Kreissparkasse Bielefeld eröffnet in Brake neue Geschäftsräume

  • Lt. Festschrift „1075 Jahre Brake (939 – 2014)“ gab es in Brake:

Die Dreiziger Jahre wurden eingeleitet durch den Zusammenbruch des Bankensystems und des internationalen Handels - weltweit. Die so entstandene Weltwirtschaftskrise von 1929 brachte den Menschen Not und Elend.  Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Mangelversorgung bestimmten das Bild der Zeit. Gleichzeitig wurden die Gegensätze zwischen "Arm und Reich" drastisch verschärft. Diese Situation versuchte die NSDAP unter Adolf Hitler demagogisch für sich zu nutzen. 

Trotz starker Stimmenverluste (4,3%) der NSDAP bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 ernennt der Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Nationalsozialisten unter Hitler übernahmen zielstrebig die Macht in allen gesellschaftlichen Bereichen und schalteten systematisch die demokratischen Instutionen aus. Innerhalb nur eines Jahres wurde durch Hitler und seine Helfer der gesamte deutsche Rechts- und Verfassungsstaat zerschlagen. 

Bereits vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler (30.01.1933) gab es eine "Rundverfügung" vom 20. Dezember 1932, wonach über die Organisationsstruktur der legalen KPD staatliche Erfassungen veranlaßt wurden. So berichtete der Landrat des Landkreises Bielefeld seinem Regierungspräsidenten in Minden am 09. 01. 1933, daß es in Brake eine Ortsgruppe der KPD unter Leitung des Arbeiters Wilhelm Dahme gab. Auf diese Weise konnten Hitlers Schergen ab Februar 1933 im Eiltempo Kommunisten verhaften, aber auch sozialdemokratische Arbeiter.

Resultat der Weimaer Republik: 
Neben der "Demütigung" der deutschen Bourgeoisie durch den "Versailler Vertrag" zur Beendigung des 1. Weltkrieges und der wirtschaftlichen Unsicherheiten durch Weltwirtschaftskrise/Inflation lag das Scheitern der Weimaer Republik auch in seiner liberal-demokratischen Verfassung. Letztere ermöglichte es den Feinden der Demokratie Fuß zu fassen und durch gezielte Demogagie das Volk zu verhetzen und illegale (nach Versailler Vertrag) Aufrüstung zu betreiben. Diese Schwäche der Weimaer Republik hat Adolf Hitler bereits Mitte der Zwanziger Jahre erkannt und gezielt ausgenutzt.

Dabei war der Kampf der Parteien um die Köpfe und Stimmen von Frauen nicht nur zu den Wahlen, auch im täglichen politischen Kampf, von hoher Bedeutung, hatten die Frauen doch auch besonderen Einfluß auf die Jugend. Dies wußte auch die SPD-Ortsgruppe Brake und lud am 20.09.1932 über die Presse zur traditionellen Frauenstunde der SPD-Ortsgruppe Brake am darauffolgenden Donnerstag 16 Uhr in die Turnhalle ein. Die Arbeiterjugend würde bei der Veranstaltung mitwirken. Ein Genosse Korspeter würde zum Thema "Die Frau in Gemeinde und Staat" sprechen.

Typische SPD-Plakate aus 1932,gegen die faschistische Gefahr - Bildarchiv HV Brake e.V.


Plakat SPD - Frauen zur Reichstagswahl 06.11.1932. Wie bei den Reichstagswahlen vom
05.03.1932 gelang es auch Ende 1932 , trotz klassenkämpferischer Losungen, den beiden
Arbeiterparteien nicht sich zur Einheitsfront gegen die drohende faschistische Gefahr durch-
zuringen. Allein die Anzahl der gewählten Abgeordneten für den Reichstag beider Parteien
hätte eine Mehrheit gegenüber der NSDAP ergeben.
 

Wie verkrustet die Trennlinien zwischen SPD und KPD waren, trotz erstarkter NSDAP, beweist nachfolgende Zeitungsnotiz aus Brake vom 24.02.1932 [mit "Thälmännern" wurden KPD-Mitglieder verspottet]:




 

Pressenotiz vom 23.04.1932:  "In Brake gestaltete sich der Umzug von rund 200 Republikanern zu einem machtvollem Bekenntnis für ein freies Preußen, so daß die kläglichen Rufe einiger Hitlerjünger in den Tritte der Marschierenden untergingen. Die Stärke des Zuges hat ihnen sicherlich die Herzen in die Hosen rutschen lassen. Desto mutiger waren sie [Hitlerjünger] dann, als sie in der Dunkelheit in aller Still die Plakate der Sozialdemokratischen Parteivon von den Telegraphenstangen rissen. Wenn schon der Demonstrationszug ein voller Erfolg war, so war der Saal mit seinen rund 400 Besuchern der schlagenste Beweis dafür, daß die Arbeiterschaft von Brake treu und kampfesmutig ist. ..."

Resümee über das Jahr 1932 in Brake aus einer Zeitungsnotiz Anfang Januar 1933:
"Die diversen Weihnachts- und Neujahrsfeiern sind glücklich unter Dach und Fach. in diesem Zusammenhang darf auch darauf hingewiesen werden, daß auch manche Feiern der Arbeitervereine allmählich ruhig ein anderes Gesicht erhalten können. Was soll man z. B. dazu sagen, wenn trotz aller Bemühungen der infragekommenden Instanzen um eine Reform der Arbeiterfestkultur noch Theaterstücke aufgeführt werden, in denen zum Schluß der 'Herr von und zu' ein armes Musikantenmädel aus dem Elend befreit, indem er sie heiratet und zur Schloßherrin macht. Die Wirklichkeit sieht doch ganz anders aus, und es ließen sich mit den vorhandenen Kräften neue Mittel und Wege finden, die auch hier zu einer Reform führen könnten"
In diesem Sinne wurde über eine Veranstaltung der Frauengruppe der SPD-Brake in der Volkswacht vom 27.02.1932 bereits geschrieben "... nach dem gemeinschaftlich gesungenen Liede 'Wenn wir schreiten Seit an Seit' ... hat man das Bewußtsein, einen nutzbringenden ... Abend verlebt zu haben. Sache der Frauen ist es jetzt den beschrittenen Weg weiter zu gehen und so zu ihrem Teil am Ausbau der Bewegung mitzuhelfen, dann wird die Zeit nicht mehr fern sein, daß auch die sozialistische Frauenbewegung ein beachtenswerter Faktor im Leben der Gemeinde Brake sein wird."

Am 08.10.1932 meldet die "Volkswacht": Der Fall Heidemann - Tragödie eines unfähigen Gemeindevorstehers

Was war passiert - Der Braker Gemeindevorsteher hatte sein Amt niedergelegt, offiziell aus wirtschaftlichen Gründen, aber damit wollte er einem Amtsenthebungsverfahren des Landrates zuvorkommen. Was wurde Herrn Heidemann vorgeworfen:

  • Lohngelder der Gemeindearbeiter abgehoben, aber nicht ausgezahlt zu haben,
  • er habe sozialdemokratische Gemeindevertreter öffentlich verunglimpfte, nachdem er aus der SPD ausgeschlossen worden war,
  • er habe ein überzogenes Geltungsbedürfnis hatte,
  • unbegründete und falsche Verdächtigung der Urkundenfälschung gegen den SPD Gemeindevertreter Karl Ellermann ...

Nach Heidemanns Rücktritt wollte die NSDAP das Amt des Gemeindevorstehers von Brake für sich ergattern, dies gelang ihr im Oktober 1932 noch nicht, wie nachfolgender Artikel belegt. "Wie die Braker SPD-Gemeindevertreter die Wahl eines Nazis zum Gemeindevorsteher verhinderten":


"Volkswacht" vom 13.10.1932

 

1933 – 1945   Zeit der Nationalsozialistischen Diktatur  [NS-Zeit]

Mit seiner Machtergreifung wandelt Hitler das gesellschaftliche System Deutschlands in eine "Einparteien-Führungsdiktatur" um. Sofort nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 setzte er die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit außer Kraft. 

Die Reichstagswahl vom 05.03.1933, also nach der Machtergreifung der NSDAP / Hitler, war ein Hohn, denn die Sitze der KPD und danach der SPD wurden anulliert.

Reichstagswahl am 5. März 1933 und ihre Folgen
Die Weimarer Republik hat nur noch wenige Stunden, als Hitler und sein Gefolge an jenem 23. März 1933 (Kostituierende Reichstagssitzung) im Sturmschritt in die Kroll-Oper marschieren. Das Geräusch der zusammenschlagenden Stiefel hallt durch den Saal, der nach dem Reichstagsbrand als provisorisches Parlament dient. Riesige Hakenkreuz-Fahnen dekorieren die Wand. Bewaffnete SA- und SS-Leuten postieren sich an den Eingängen. Sie umringen auch den Block im Operetten-Parkett, in dem die Abgeordneten der SPD sitzen. Von der zweitstärksten Fraktion sind nur 94 Politiker gekommen. Die 20 übrigen befinden sich bereits in "Schutzhaft". Gar nicht anwesend sind die Politiker der KPD, deren Mandat die Nazis nach dem Reichstagsbrand annullieren ließen. Die meisten von ihnen sind zu diesem Zeitpunkt ebenfalls verhaftet oder auf der Flucht.

Es gibt nur einen Tagesordnungspunkt, über den die von der NSDAP angeführte Koalition an diesem Freitag abstimmen will: das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich". In seiner Regierungserklärung beschwört Hitler das kommunistische Gespenst als Bedrohung des Vaterlands. Das verklausulierte Ziel des sogenannten
Ermächtigungsgesetzes: Der Reichstag soll nur noch von Zeit zu Zeit von der Regierung über die von ihr geplanten Maßnahmen unterrichtet werden. Hitler will dem Parlament alle Rechte entziehen. Seine Reichsregierung soll Gesetze erlassen dürfen, auch wenn diese gegen die Verfassung verstoßen. Es ist eine Blanko-Vollmacht. Für die Schlussberatungen der Parteien lässt Reichstagspräsident Hermann Göring die Sitzung für drei Stunden unterbrechen. Die Sozialdemokraten wollen gegen das Gesetz stimmen. Plötzlich steht Josef Joos im SPD-Fraktionsaal. Der Zentrumspolitiker warnt: "Sagen Sie Ja zum Gesetz, oder reisen Sie sofort ab! Sie sehen doch: Sie sind in Lebensgefahr." Aber die Genossen sind fest entschlossen. Fraktionschef Otto Wels will die Erklärung vortragen.
Das Ermächtigungsgesetz wird beschlossen, die SPD ist letztlich entbehrlich. Auch ohne sie hat Hitler seine Mehrheit beisammen. Außer den 94 Sozialdemokraten werfen nämlich alle 444 Parlamentarier Ja-Karten in die Urne, darunter auch die Bayerische Volkspartei, die Zentrumspartei und die Deutsche Staatspartei. Sie alle kapitulieren vor Hitler. Dabei ist ihre Zustimmung intern zumindest teilweise umstritten.

Das 
Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 veränderte die Verfassung entscheidend, denn die gesetzgebende Gewalt ging von der Legislative auf die Exekutive über. Damit war faktisch und praktisch der "formale" Rechtsstaat aufgehoben. Die Nationalsozialisten stellten "ihr" gesundes Volksempfinden über das bürgerliche Recht. Das öffnete Willkür und Verleumdungen "Tür und Tor".

Danach schaffte Hitler den traditionellen Reichsrat ab, vergleichbar mit der bundesdeutschen Länderkammer. Ebenso das Mehrparteiensystem. Seit dem 14. Juli 1933 war die NSDAP einzig legale Partei. Alle Aufgaben gingen auf die Reichsregierung über.

Nach der Machtergreifung der NSDAP wurden schrittweise Gewerkschaften, Arbeitervereine, die KPD (spätestens am 28. Februar 1933) und SPD (22. Juni 1933) verboten. 

Zeitungsmeldung vom 05.04.1933 aus Brake: "In der Gemeindevorsteherwahl am Dienstag wurde der bisherige Gemeindevorsteher Hermann Rüggesiek (Deutschnational) mit 3 gegen 4 Stimmen der NSDAP, gewählt. Zum Stellvertreter wählte man Walter Höner zu Guntenhausen mit 8 Stimmen, bei Stimmenthaltung der SPD."

Zeitungsmeldung vom 02.05.1933 aus Brake: "Kommissarischer Vorsteher. Der vor kurzem gewählte Vorsteher Gastwirt H. Rüggesiek ist beurlaubt und als kommissarischer Vorsteher der Kaufmann Segeler ernannt worden. Rüggesiek wurde von zwei Vertretern der bürgerlichen Liste und drei Vertretern der SPD, gegen die vier Stimmen der NSDAP, gewählt."

Diese Beurlaubung ist ein Beleg dafür, wie durch die Nazis die Gleichschaltung mit der Parteilinie organisiert wurde, genauso wie die Zeitungsmeldung vom 03.05.1933 aus Brake: "Uebergetreten. Die Ortsgruppe Brake des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen hat in einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossen, zum Nationalsozialistischen Reichsverband Deutscher Kriegsopfer überzutreten."

Der Widerstand gegen das Naziregieme wurde in der Illigalität durch mutige Menschen fortgeführt bzw. organisiert, wie ein Flugblatt aus Brake belegt:

 Nachschrift eines Flugblattes aus der Arbeiterbewegung OWL (dem Vokabular nach wahrscheinlich KPD nah)  zur 
Einheitsfront von November 1933 - in Brake im November 1933 entdeckt und der Polizei übergeben, es wurden bei 
ehemaligen SPD-Mitgliedern Briefe mit dem Flugblatt beschlagnahmt und bei der Post Briefsendungen danach durchsucht.

Das es gegen die Nazidiktatur in Brake Widerstand gab beweist auch ein Bericht des NSDAP-Ortsgruppenleiters Stranghöner an den Heppener (Amt) Dr. Becker vom 26. Juli 1933 seien von KPD-Mitgliedern mehrere Telegraphenstangen sowie stellenweise die Straßendecke der Herforder Str. mit Wahlaufrufen beschmiert worden und Arbeiter hätten noch Waffen in ihrem Besitz, auch würden in der Braker "Kolonie" (Haus Nr. ...) dauernd laut die "Internationale" abgespielt werden. Außerdem wäre die ehemalige SPD-Ortsgruppe noch im Besitz einer roten Fahne. Stranghöner forderte das Amt Heepen auf namentlich benannte ehemalige KPD-Mitglieder zu veranlassen die "Sudeleien" zu entfenen und Waffen, sowie rote Fahne zu beschlagnahmen sowie gegen 7 Personen Haussuchungen nach KPD - Propagandamaterial durchzuführen.

Dem Naziregime galt jede Form der Freiheit als Opposition! Es beginnt der Terror gegen Andersdenkende.  Die "Gleichschaltung aller Bereiche des öffentlichen Lebens" wurde immer perfekter. Es wurde gezielt ein System der absoluten Kontrolle über jeden Einzelnen aufgebaut. Angst vor Verleumdung und Verrat herrschte unter demokratisch gesinnten Menschen, denn das Denunziantentum in Beruf, Nachbarschaft und Familie wird gezielt durch die Nazis gefördert.

Beispiele aus Brake, wie bereits nur wenige Monate nach Hitlers Machtergreifung Menschen verunglimpft, unter Druck gesetzt, verängstigt oder aus persönlichen Gründen denunziert wurden (Schriftstücke als Beleg im Archiv des Heimatverein Brake e.V.):
  • Am 24.11.1933 schrieb Ewald Jerrendorf an die "Mindener Regierung" eine Beschwerde, daß am 15. November 1933  5 SA-Leute aus Brake in J. Wohnung erschienen und forderten J. auf innerhalb 25 Minuten sich in die Gastwirtschaft Welscher zu begeben. Weiter schreibt J. "Als ich dort ankam, kam ein von SA-Männern geführter Zug von Zivilisten, die Schilder mit der Aufschrift: 'Ich bin ein Vaterlandsverräter', trugen. Ich wurde gezwungen, mich dem Zug anzuschließen." J. beschwerte sich 3 Tage später beim politischen Leiter der NSDAP Brake Herrn Stranghöner, welcher ihm sagte dies sei die Strafe dafür, dass er mit "Nein" bei der geheimen Wahl gestimmt habe. Dies bestritt J., gegenüber Stranghöner. In seiner Beschwerde bat er die Regierung ergebenst seine Ehre wieder herzustellen, weil er sich in seiner Ehre als deutscher Arbeiter tief gekränkt fühle und dem Gespött der Öffentlichkeit ausgesetzt worden war. Er verwies darauf, daß er bisher unpolitisch gewesen sei, als Arbeiter stände er hinter dem Führer und spendet gerne für das Winterhilfswerk. Die Beschwerde endet mit Heil Hitler.

  • Wilhelm und Walter Bensiek aus Brake stellten am 28. November 1933 in gleicher Sache bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld Strafantrag gegen Franz Böing. Böing sei mit 3 SA-Männern am 15. November 1933  etwa 18:30 Uhr in Bensiek's Wohnung erschienen, und forderte ihn und seinen Sohn Walter energisch auf mitzukommen. Nach Weigerung drohte Böing, "Wenn Sie nicht mitkommen, was (dann) mit ihrem Leben und Eigentum passiert, dafür übernehme ich keine Verantwortung. Gehen Sie mit, passiert nichts." Bereits wenige Minuten vorher seien 3 SA-Männer aus Brake mit gleichen Ansinnen erfolglos gewesen, ihr Wortführer K. sagte auf  Bensiek's Einwand, Gründe bräuche er ihm nicht nennen und der Polizei ginge dies nichts an. Weiter schrieben beide Bensiek's, unter tiefen Druck seien sie mit Böing seinem Trupp in Holzschuhen und dünner Arbeitsjacke mitgegangen. Wörtlich: "sind wir dann durch Milse und Brake gezogen. Gezwungenermaßen mußten wir ein Schild tragen, auf  welchem stand 'Ich bin ein Landesveräter' ". Beide führten auch 3 Zeugen dafür an.

  • In einer Vernehmung bestritten 2 SA-Leute natürlich, wie könnte es anders sein, dass SA und NSDAP am Abend des 15. November 1933 einen Fakelzug in Brake durchgeführt und sie selbst demzufolge niemanden dazu eingeladen hätten. In Brake ginge aber das Gerücht rum, dass die SPD nach der Wahl einen Fakelzug veranstaltet hätte. Weiter sagten beide "In der Woche nach der Wahl sind wir jeden Abend zu den Einwohnern von Brake gegangen und haben diese zur Teilnahme an dem am 11. November 1933 stattfindenten Fakelzug eingeladen."

  • In einem Protokoll (Heepen) vom 08.12.1933 erklärt Brakes Ortsgruppenleiter der NSDAP Hermann Stranghöner vom Fakelzuge am 15. November 1933 sei ihm nichts bekannt. Jerrendorf sei auch nie bei ihm gewesen um Protest zu erheben. Im Verlauf der Befragung sagte St. Urheber der Jerrendorf- Beschwerde an die Mindener Regierung sei der frühere Marxist Ellermann gewesen. Beide gingen für die SPD durch dick und dünn. Außerdem sei festgestellt, dass Jerrendorf bei der Wahl mit "Nein" gestimmt habe. Übrigens habe Ellermann bis zur "nationalen Erhebung" stets versucht die NSDAP zu beschimpfen und immer wieder nationalsozialistische Versammlungen auseinanderzusprengen. Er stünde bei der NSDAP unter Verdacht auf seiner Schreibmaschine die Beschwerden und ein vor kurzer Zeit per Post verteiltes marxistisches Flugblatt angefertigt zu haben.

  • Ein Sonderbeauftragter des Obersten SA-Führers für den Regierungsbezirk Minden schmetterte im Schreiben vom 11. 01. 1934 gegenüber dem Mindener Regierungspräsidenten Freiherr von Oeynhausen die Beschwerde des Herrn Jerrendorf als unbewiesen ab und stellte fest, dass die SA-Leute deshalb nicht zu bestrafen seien. Er bemerkte noch zynisch der Beschwerdeführer Jerrendorf könne seine Ehre am besten selbst wieder herstellen, wenn dieser zukünftig nicht feindlich gegen, sondern offen für uns sich betätigen würde. 


Lokale Zeitungsmeldung vom 29.07.1935: "Brake, 28.07.  Arbeiten an der Bahnhofstrasse. An der oberen Bahnhofstrasse ist man zur Zeit mit den Kanalisierungsarbeiten beschäftigt. Etwa 30 Leute konnten bei diesen Arbeiten Beschäftigung finden.  Von der Zementwarenfabrik Rottpeter bis zu der Mühle Vogelsang soll die Straße kanalisiert und ein Bürgersteig angelegt werden. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten soll die oberen Bahnhofstrasse, die sich vor allem von der Eisenbahnunterführung bis zu der Fabrik Rottpeter seit längerer Zeit in einem sehr schlechten zustande befindet, instand gesetzt werden".


Die "Rasse der Herrenmenschen" bereitet unter dem Begriff "Eutahanasie" die Tötung geistig Behinderter vor. Sie verfolgen religiöse Minderheiten, Sinti & Roma sowie Juden. Gegen letztere wurde systematisch Hass in der Bevölkerung geschürt, welcher in der Reichspogromnacht oder Reichskristallnacht genannt gipfelte. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde ein Progrom gegen die jüdische Bevölkerung entfacht. Bereits ab dem 7. November fanden in ganz Deutschland Übergriffe gegen Juden und jüdische Einrichtungen statt, welche propagandistisch lange vorher vorbereitet waren. Bereits 1935 legalisierten die Nürnberger Gesetze die Judenausgrenzung. Ein in der Menschheitsgeschichte beipielloser Exodus entrechteter Menschen wird durch gnadenlosen Terror des NS-Regimes und seiner gutgläubigen Schergen ausgelöst.

Der Begriff Reichspogromnacht (oder auch Pogromnacht bzw. Novemberpogrom) sind die aktuellen Bezeichnungen im allgemeinen Sprachgebrauch, um das verharmlosende und belastete Wort "Reichskristallnacht" zu ersetzen. Damit wird der reichsweite Pogrom (gewalttätige Aktion gegen Menschen, die einer Minderheit angehören) gegen die Juden im Deutschen Reich, der am 9./10. November 1938 stattfand, erklärt. Die Wortschöpfung ''Kristallnacht'' dagegen bezieht sich auf die überall verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen. Also nur Sachschäden bezeichnend, dagegen bezeichnet das Wort Progrom treffender die stattgefundenen gewaltätigen Aktionen gegen Menschen und die verübten faschistischen Morde. vgl. auch: 

www.lpb-bw.de/reichspogromnacht.html

Wie es SPD und KPD erging, so erging es auch den „Freien Turn- & Sportverein Brake“ unter Vorsitz von Paul Husemann, er wurde aufgelöst und das Vereinsvermögen beschlagnahmt.

Antifaschistischer Widerstand

Die NSDAP wurde von der deutschen Monopolbourgeoisie gestützt und finanziert. 

Patriotische Kräfte des deutschen Volkes setzten ab 1933 illegal den Kampf gegen Hitler fort, oft unter Einsatz des eigenen Lebens.

Der Kampf gegen die Machtergreifung von Hitler und der NSDAP wurde schon weit vor 1933 geführt. Allerdings gelang es nicht, eine Einheitsfront von SPD / KPD zu errichten, wodurch koordiniertes Handeln der Arbeiterparteien gegen die Nationalsozialisten verhindert wurde. Die Losung der KPD "Wer Hitler wählt, wählt den Krieg" konnte so auch nicht verhindern, dass die NSDAP die meisten Stimmen bei den Reichtagswahlen erhielt. 

 

Das Bielefelder Stadtblatt Ausgabe Februar 1983 - entstanden in Zusammenarbeit mit der "Antifaschistischen Initiative Bielefeld" - hat über die Situation in der Arbeiterbewegung bei Machtergreifung Hitlers sehr bewegte Zeitzeugendokumente veröffentlicht, welche das damalige Verhalten Einzelner analysierte. Dort heißt es beispielsweise:

 

"Vier Monate später [gemeint Reichstagswahl vom 6. Novemeber 1932, wo NSDAP eine Wahlshlappe erlitt und in Bielefeld besonders stark] glaubte die SPD noch einmal, daß ihr Festhalten an strikter Rechtsstaatlichkeit erneut von den Wählern honoriert würde. Dabei existierte die deutsche Republik, die die SPD verteidigen wollte, schon seit dem 30. Jan. 1933 nicht mehr. Nach dem Reichstagsbrand waren die zunächst als spontane Übergriffe getarnten SA- und SS-Aktionen in offenen Terror umgeschlagen, von dem auch Sozialdemokraten nicht mehr verschont blieben. Die fatale Situation im Februar 1933: Während die KPD, eine Partei mit vielen Arbeitslosen, jungen politisch Unerfahrenen zum Generalstreik aufrief, klammerte sich die in Betrieben und Gewerkschaften verankerte SPD noch immer an ihre Wahlparolen. Auch in dieser Situation hob die SPD-Führung das Koalitionsverbot mit der KPD nicht auf. Trotzdem kam es in Bielefeld zu Einheitsfrontverhandlungen und zu einer gegenseitigen Unterstützung an der Basis. Doch dies blieb eine Episode.Beide Arbeiterparteien mischten ihre Verhandlungsangebote mit politischen Angriffen, bis sich am 26. Februar die Unterbezirksleitung der KPD gegen die Einheitsfront mit Bielefelder Sozialdemokraten entschied. Einen Tag später erschien die letzte Nummer der 'Volkswacht' (dann wurde sie verboten) mit der im Rückblick so überaus irrtümlichen Überschrift: 'Ihr könnt das Wort verbieten, ihr tötet nicht den Geist! Bielefeld ist rot und bleibt rot!' Die Drohung Artur Ladebecks, die er bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung im Oktober 1932 in der Bielefelder Ausstellungshalle ausgesprochen hatte, die Arbeiter könnten gegen die Reaktion 'auch die Knarren und Handgranaten in die Fäuste' nehmen und mit 'den Herren nicht, so glimpflich umgehen wie 1918' - diese Drohung erwies sich im Augenblick der tatsächlichen Zerschlagung der Weimaer Republik als hohle Pose. ... Die Fehleinschätzung der Nazi-Gefahr und die Spaltung der Arbeiterbewegung waren zwei Voraussetzungen, ohne die der Erfolgstaumel der Nazis undenkbar gewesen wäre. Zwei weitere kamen hinzu: der Terror und das in pseudo-sozialistischer Phraselogie verpakte Identifikationsangebot an eine ökonomisch und sozial destabilisierte und geschwächte Arbeiterschaft. ... So traf der Terror meist Personen und Gruppen, die bei ihrer Verhaftung nicht mit breiter Solidarität in der Bevölkerung rechnen konnten. ...
'Im Grunde war ich völlig unpolitisch', sagt Pfarrer Deppe heute. Seine Gemeinde und die gesamte Kirche seien ihm 'zu bürgerlich' gewesen - aber die Politik sei nicht sein Feld gewesen. 'Auch als die NS-Bewegung in Bielefeld erstarkte, nahm ich das kaum zur Kenntnis - und ich tat auch nichts dagegen.' ... Das änderte sich nach dem 30. Januar 1933 schnell. ... Der Altstädter Gemeindesaal an der Grünstrasse ist überfüllt, als Hans Deppe zur spannungsgeladenen Lage der Kirche spricht - und der junge Pfarrer verleugnet seinen Standpunkt nicht. Vorn ... sitzen drei Polizeibeamte ... . Fortwährend unterbrechen sie den Redner, machen ihn darauf aufmerksam, was er sagen darf und was nicht. Und hinten im Saal hat sich ein Haufen von SA-Leuten bereitgemacht, dröhnend skandieren sie 'Schluß, Schluß, Schluß!'. Dagegen kommt der Pfarrer nicht an, er bricht ab. Und wie zum Trotz erhebt sich jetzt die Gemeinde und singt: 'Ein feste Burg ist unser Gott'. ''Da war die Altstadt für mich zum erstenmal wirklich eine 'Gemeinde',  sagt Pfarrer Deppe. ... Den couragierten Pfarrer hindert dies nicht (gemeint sind seine Verhöre durch die Gestapo) an weiterer Opposition. So berichtet er in einer Predigt nach der 'Reichskristallnacht' offen über Selbstmord eines Bielefelder Juden, dessen Geschäft die Nazis ausgeplündert haben, und er fügt hinzu: 'Wo heute Synagogen brennen, können morgen auch Kirchen brennen.' ...
Glaubhaft versichert Pfarrer Deppe, was seiner Generation oft nicht abgenommen werden darf: Von Vernichtung der Juden  habe er nichts gewußt - und das, was ihm gelegentlich zu Ohren gekommen sei, habe er nicht geglaubt. 'Aber', fügt er sofort hinzu, 'daraus will ich mir keine weiße Weste waschen. Denn ich habe eben auch keine Auslandsender gehört. Und wir wußten ja auch - das hätte ja reichen müssen! - daß sie (gemeint die Juden) abtransportiert wurden. Wir hätten es wissen können - wir hätten etwas sagen müssen. Das ist ein Schuldbekenntnis. ... Ich habe nie politischen Widerstand geleistet. Ich habe immer nur das Evangelium verteidigt.' ...
... Isoliert und gemieden von der 'arischen' Bevölkerung nahm sich eine Reihe vornehmlich älterer Juden noch vor Beginn der Deportationen in Bielefeld das Leben [das sprach sich auch bis nach Brake rum]." 

Transporte Bielefelder Juden in die Vernichtungslager - Bahnhof vor 1918 - Bildarchiv HV Brake e.V.
Nur 52 von 800 (1933) Bielefelder Juden überlebten die faschistische Barbarei!

 

"Die Transporte in Ghettos und Vernichtungslager zwischen Dezember 1941 und juni 1943 bedeuteten das grauenvolle Ende der Bielefelder Jüdischen Gemeinde. Die Spuren  der ca. 450 ... verlieren sich in der Anonymität der Todeslager. Nur wenige überlebten den Massenmord." 

 


Bielefelder Bahnhof vor 1918 - Bildarchiv HV Brake e.V.

"Vor ihrer Abfahrt vom Bielefelder Bahnhof besorgten Gestapo und Ortspolizeistellen sowie ein weitverzweigtes Behördennetz (Arbeitsamt, Finanzamt  ...)  den 'verwaltungstechnischen' Tod der Juden: Die Deportierten wurden aus den 'Akten gestrichen', ihr restliches Habe über den Regierungspräsident 'pflichtgetreu' eingezogen und 'verwertet'." 

Carl Severing (1872 - 1952) war ein führender Sozialdemokrat in OWL der Weimaer Republik und deutschlandweit bekannt geworden. Nach der Novemberrevolution wurde er Reichskommissar und mehrere Jahre preußischer Innenminister. Nach Hitlers Machtergreifung wurde er 1933 verhaftet und nur durch eine Verpflichtung, alle politischen Aktivitäten zu unterlassen, wieder auf freien Fuß gesetzt. Was ihm von den Nationalsozialisten drohte war ihm bewußt, schließlich haben die SA - Sturmleute während der Auseinandersetzungen auf der Straße oft genug das Lied gebrüllt: 
"Wenn der Sturmsoldat ins Feuer zieht, dann hat er frohen Mut. Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's noch mal so gut. Die Juden und Marxisten, die bringen uns kein Heil, den Severing und Genossen erschlagen wir mit dem Beil. Blut muß fließen knüppelhageldick, wir pfeifen auf die Judenrepublik."

Widerstand gegen die Nazi-Schergen leisteten vor allem Mitglieder der SPD und KPD, aber auch humanistische Kräfte aus dem Bürgertum, wie die Hitlerattentäter vom 20.07.1944. Diese mutigen Menschen, die Antifaschisten, waren es auch, welche einige Juden vor dem Zugriff faschistischer Schergen retteten und versteckt hielten, somit vor dem sicheren Tod durch vergasen bewahrten.

Antifaschisten waren im Naziregime zwar in der Minderheit, ihr Kampf aber um so wirksamer. Neben deutschen Antifaschisten kämpften überall im Machtbereich Hitlers Patrioten gegen diese faschistische Babarei. Dazu gehören auch die Partisanen der unterjochten Völker.


Nach den Dokumenten im Heimatverein Brake waren vom Gesinnungsterror der Nazis besonders betroffen:
a) Verhaftung/Überführung einiger Braker Bürger in das 
Konzentrationslager (KZ) Börgermoor  (ab       08.08.1933):
Wilhelm Begemann, Arbeiter
Ernst Kamp, Arbeiter
Otto Kamp, Arbeiter
Rudolf Oberschelp, Arbeiter
Wilhelm Wiehage, Arbeiter

Am 26.09.1933 wurden diese Braker Bürger aus dem KZ entlassen.

KZ Börgermoor

Das Lied „Moorsoldaten“ am 27. August 1933 von 16 Häftlingen bei einer Veranstaltung namens "Zirkus Konzentrazani" im „KZ Börgermoor“ aufgeführt. 1935 überarbeitete es der Komponist Hans Eisler in London für den Sänger 
Ernst Busch, Es wurde weltbekannt. 
(Vertonung mit Ernst Busch, Gesang hier Link)
 
DIE MOORSOLDATEN 
Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide nur ringsum,
Vogelsang uns nicht erquicket, Eichen stehen kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit den Spaten ins Moor.:/
Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut,
wo wir ferne jeder Freude hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten ...
Morgens ziehen die Kolonnen in das Moor zur Arbeit hin
Graben bei dem Brand der Sonne, doch zur Heimat steht der Sinn.
Wir sind die Moorsoldaten ...
Heimwärts, heimwärts, jeder sehnet zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet, weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Moorsoldaten ...
Auf und nieder gehen die Posten. Keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten! Vierfach ist umzäunt die Burg.
Wir sind die Moorsoldaten ...
Doch für uns gibt es kein Klagen. Ewig kann 's nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen: Heimat, du bist wieder mein!
Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor.:/
--------------

 

Text: Johann Esser u. Wolfgang Langhoff, Musik: Rudi Goguel (Bearb. Hanns Eisler)
Zitiert nach Ernst Busch (Hrsg.): Canciones de las Brigadas Internacionales. 5. Aufl., Barcelona 1938, S. 94. Das Lied ist 1933 im KZ Börgermoor entstanden. 1935 bearbeitete Hanns Eisler die Melodie für Ernst Busch, der das Lied während seiner Emigrationszeit verbreitete. Er sang es über Radio Moskau und nahm es 1937 in Barcelona auf Schallplatte auf.


Der Gesinnungsterror gegen ehemals sozialdemokratische und kommunistische Bürger ging immer massiver weiter. 
b) Vom 04.07.1934 - 11.07.1934 saß der Braker Bürger Friedrich Fleer in Untersuchungshaft bei der           GESTAPO Bielefeld wegen abfälliger Bemerkungen gegen die SA und deren Führer.
c) Aus politischen Gründen verurteilt wurden aus Brake zu:
10 Jahre + 6 Monate wegen vermeintlichen Hochverrat Hans Bayer, Schlachtermeister, verhaftet Dezember 1933
4 Jahre + 6 Monate, politisch, Emil Heiermann, Kohlenhandel, verhaftet März 1938
3 Jahre wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Heinrich Hoffmann, Monteur, verhaftet am 07.10.1936
8 Monate wegen politischer Anschuldigung, Ernst Kamp, Arbeiter, verhaftet am 15.06.1933
8 Monate wegen politischern Anschuldigung, Wilhelm Wiehage, Arbeiter, verhaftet am 15.06.1933


Auch verboten wurden Presseerzeugnisse von KPD / SPD, wie:

 
Wie den gewählten SPD-Abgeordneten ihr Mandat von den Nazis geraubt wurde und sie aus der Gemeindevertretung Brake vertrieben wurden zeigen folgende Fakten:
Der Landrat Bielefeld-Land Beckhaus wird von Dr. med. H. Löhr [NSDAP - Kreisleiter] mit Schreiben vom 25.04.1933 gebeten Stellen kommissarisch neu zu besetzen, von Personen welche mit Hilfe der SPD als Gemeindevorsteher oder Amtsbeigeordnete gewählt wurden oder mit denen nicht zusammen zu arbeiten sei. ... In der Gemeinde Brake b/Bielefeld, bat er, den Gemeindevorsteher Gastwirt Hermann Rüggesieck durch Herrn Otto Segeler, ... kommissarisch zu ersetzen. Eine Zusammenarbeit der Gemeinderatsmitglieder mit Rüggesick erweise sich als unmöglich. Weiter berichtete Dr. Löhr, dass vor der Vorsteherwahl mit Vertretern der "neutralen Liste" ausgemacht worden sei [durch NSDAP Ortsgruppe], dass ein späteres Zusammenarbeiten und eine gemeinsame Besetzung der Kommissionen nur dann in Frage käme, wenn sie bei der Vorsteherwahl für den Kandidaten der NSDAP und nicht mit der SPD stimmen würden. Dieses sei nicht geschehen. Er schlug zur Einsetzung in die verschiedenen Kommissionen der Gemeindevertretung Brakes Bürger vor.
  
Am 16. September 1933 schlug der Bürgermeister von Brake dem Vorsitzenden des Kreisausschusses des Lankreises Bielefeld die Besetzung der freigewordenen Sitze in der Gemeindevertretung Brake > auf Grund des §2 der Verordnung zur Sicherung der Staatsführung vom 7. Juli 1933 waren 3 Sitze der Sozialdemokratischen Partei freigeworden. < ... durch Berufung von 3 Persönlichkeiten zu besetzen. 
Nach benehmen mit der örtlichen Parteileitung der NSDAP werden zur Berufung vorgeschlagen:
  1. Eisenbahnbeamter Heinrich Grafahrend ...
  2. Handlungsgehilfe Rudolf Lochmüller ...
  3. Maurer Franz Böing
In die Amtsvertretung Heepen wurde für freigewordene SPD-Mandate u.a. der Fabrikarbeiter Wilhelm Beckmann aus Brake berufen, er sei ein "alter Vorkämpfer für die nationale Erhebung", aber zu dem Zeitpunkt kein NSDAP-Mitglied.


Das passive Wahlrecht und die Möglichkeit zur Zulassung zur Habilitation an Hochschulen und Universitäten werden Frauen durch die Nazis genommen. Verbot für Frauen bestimmte Berufe (u.a. wissenschaftliche und technische Berufe) zu ergreifen. Gleichschaltung der Frauenverbände mit Naziorganisationen. Massive Propagierung der Mutterschaft. Abschaffung des Internationalen Frauentages zu Gunsten des Muttertages. Das Gesetz über die Beschränkung der Frauenarbeit wird gelockert, um Frauen zur Arbeit in Munitionsfabriken zu verpflichten.


Trotz alledem regte sich auch in Brake Widerstand gegen die Faschisten, dies beweist ein illegal verbreitetes Flugblatt von Arbeitern gegen den Staatsterror mit der Warnung das Hitler "eine neue Eroberungspolitik und damit ein neues Blutbad der Völker geistig vorzubereiten vermag". 
Welche Weitsicht standhafter Arbeiter bereits im November 1933!


Arbeitsdienst

Da das NS-Regime im Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) der Weimaer Republik nur eine Teilantwort auf die Wirtschaftskrise sah, löste es den 1931 ins Leben gerufenen FAD nach Hitlers Machtergreifung nicht auf, sondern gestaltete ihn nach seinen Vorstellungen sukzessive zu einem Instrument der bewussten Erziehung zur „Volksgemeinschaft“ um. Missliebige andere Träger wurden zunehmend schikaniert. So wurden seit März 1933, seitens der SA, vermehrt Gewaltaktionen gegen Arbeitsdienstlager durchgeführt, deren Träger kirchliche oder sozialdemokratische Wurzeln hatten. Selbstgleichschaltungen und „freiwillige“ Anschlüsse waren bis August 1933 die Folge. Seit Dezember 1933 waren nicht mehr die Arbeitsämter, sondern eigens errichtete Meldeämter für die Einstellung von Freiwilligen zuständig. Es entstand mit dem Gesetz vom 26. Juni 1935 schließlich der Reichsarbeitsdienst (RAD), der zunächst nur männliche Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren verpflichtete, mit Beginn des 2. Weltkrieges auch junge Frauen.


SA BrakeBildarchiv HV Brake e.V.
 
In Brake entstand 1933 ein großes Lager des FAD für mehr als 200 Personen. Kosten 15.000 Reichsmark (RM). Geförderte Maßnahme: Anlage eines Klärteiches in Bielefeld. Die im Lager untergebrachten Freiwilligen stammten aus Bielefeld und Herford. Es wurde berichtet, dass "die Leute ... im nationalsozialistischen Sinne erzogen" wurden. Am 15.12.1933 waren von den 250 Insassen des Lagers Brake 100 Mitglied der NSDAP. Sie waren in Schlafsälen mit 12 Betten untergebracht. Das Lager wurde im Oktober 1934 aufgelöst.
Der zweite Weltkrieg  1939 - 1945

Der Zweite Weltkrieg begann in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939.

In Ostasien befand sich zu dieser Zeit das mit Hitlerdeutschland verbündete Japan seit 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion und seit 1937 mit China im Pazifikkrieg. 

Nach Polen wurden in kurzen, konzentriert geführten deutschen Feldzügen Dänemark, Norwegen, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, der Großteil Frankreichs, Jugoslawien und Griechenland erobert und besetzt. Westpolen, Luxemburg und Elsass-Lothringen wurden ins Deutsche Reich eingegliedert. Andere Gebiete wurden mit vom Deutschen Reich abhängigen Regierungen beherrscht und wirtschaftlich ausgebeutet.

Juden, Oppositionelle, besonders Kommunisten und Sozialdemokraten sowie jegliche des Widerstands gegen den Nationalsozialismus verdächtigte Personen wurden planmäßig verschleppt, zur Zwangsarbeit herangezogen oder sofort ermordet. Großbritannien war von der Kapitulation Frankreichs (22.06.1940) bis zum deutschen Angriff auf die Sowjetunion (22.06.1941) Deutschlands einzig verbliebener europäischer Kriegsgegner.
 
Baracken für Zwangsarbeiter auf dem Gelände Werk II, im Hintergrund sind Firmengebäude zu sehen
Bildarchiv HV Brake e.V.

Durch den Status als kriegswichtiger Rüstungsbetrieb werden der Firma RIXE auch osteuropäische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zugewiesen. Die ersten Zwangsarbeiter treffen bereits kurz nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Jahre 1941 ein. Bis Ende des Krieges beschäftgte Rixe 137 Zwangsarbeiter aus Osteuropa. Auffällig ist hier, dass nahezu 80% zwischen 12-20 Jahren alt waren. Ein Indiz für körperlich anstrengende und zehrende Arbeit, es werden gesunde und kräftige Arbeiter benötigt. Die Zwangsarbeiter sind innerhalb der Lager isoliert, Kontakt zu Einheimischen durfte nicht hergestellt werden. Jeder nicht durch die Arbeit bedingte Umgang zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern war strikt verboten.

Die Firma RIXE meldete immer wieder, entsprechend den Unterlagen im Heimatverein Brake, dass aus dem Lager Zwangsarbeiter geflohen seien, insgesamt rund 30 Polen und Russen. 2 wurden erhängt aufgefunden.

Ähnliche Meldungen kamen aus dem Lager der Amaturenfabrik Anton & Richter GmbH Brake sowie von Bauern, Fuhrunternehmer, welche Zwangsarbeiter beschäftigten.

Die NSDAP-Mitglieder Wilhelm Kastrup und Wilhelm Ruskamp waren für die Überwachung "fremdvölkischer Arbeitskräfte" in Brake verantwortlich.

Wenn Deutsche den Zwangsarbeitern bei der Flucht halfen, dann drohte ihnen selbst Gefängnis. So wurde berichtet, dass 2 französische Kriegsgefangene am 19.07.1942 bei dem Bauer Meyer zu Jerrendorf entwichen gewesen waren. Ihnen soll der Lehrling Hansgünther Rolf mit Fahrkarten, Kleidung und Nahrungsmittel geholfen haben, er wurde der Polizei übergeben. Rolf wurde am 8. 2. 1943 von der Jugendkammer des Landgerichtes Bielefeld zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Geschichte der Zwangsarbeiter arbeitete auch eine Schülerarbeitsgruppe des Heepener Gymnasiums nach dem Krieg auf (ein Bericht dazu stand in der Zeitung).


Gebäudeschäden am Rixe Werk II - November 1944   -   Bildarchiv HV Brake e.V.

Das nationalsozialistische Deutsche Reich führte den Krieg gegen die UdSSR als einen Vernichtungskrieg. Bereits in „Mein Kampf“ hatte Hitler die Vorstellung der Eroberung von „Lebensraum im Osten“ entwickelt. Immer wieder betonte er, dass er Osteuropa bis zum Ural als Ergänzungs- und Siedlungsraum für ein künftiges „Großgermanisches Reich“ begriff.

Mit dem Kriegseintritt des Königreichs Italien im Juni 1940 wurde auch Nordafrika zum Kriegsschauplatz.

1941 übernahm die Gemeinde Brake den bisherigen Privatfriedhof am Kerksiekweg in ihre Zuständigkeit und erweiterte den Friedhof.

Der Vormarsch der deutschen Wehrmacht konnte im Winter 1941/42 vor Moskau erstmals abgewehrt werden. Die Rote Armee der Sowjetunion stoppte im Winter 1942/43 einen erneuten Vorstoß bei Stalingrad & schlug die Invasoren vernichtend. Die Wehrmacht wurde nach und nach zurück gedrängt. Im Juni 1944 gelang der Roten Armee die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte, womit die deutsche Niederlage unausweichlich geworden war. Bis Ende 1944 musste die unterlegene Wehrmacht sich an die Reichsgrenzen zurückziehen.

Nach der Landung auf Sizilien (Juli 1943), in der Normandie (Juni 1944) und in Südfrankreich (August 1944) führten US- amerikanische, britische, kanadische und französische Truppen in Kontinentaleuropa neben den sowjetischen Truppen einen Landkrieg gegen die Truppen der Wehrmacht. Italien stand seit Oktober 1943 offiziell auf der Seite der Alliierten.

Der Luftkrieg hat auch Brake schwer getroffen. Bomben trafen nicht nur den Viadukt, auch viele Gebäude im Ort trugen Kriegsschäden davon. Ebenfalls wurde die "Gummibahn", Umgehungsbahn für den Viadukt bei Schildesche, teilweise getroffen, konnte aber immer wieder durch die Nazis instandgesetzt werden.

Am 28. Juli 1984 wurde in einer Zeitung berichtet "Braker Bürger spähten nach Feindflugzeugen aus". Tatsächlich erinnerten nach dem 2. Weltkrieg Überreste des alten Beobachtungsunterstandes auf den Feldern des Höners zu Guntenhausen noch daran. Es waren Braker Bauern und Handwerksmeister, welche hier als Wehrmachtsangehörige in Schichten Dienst leisteten.

oben historische Aufnahme, unten Foto aus ca. 1980  -  Bildarchiv HV Brake e.V.


 

Als Luftschutzbunker für die Bevölkerung sind den älteren Brakern noch zwei Objekte bekannt, ein Erdbunker am Schießstand des früheren Schützenvereins Horrido und in einem Betonbunker an der Braker Straße (in Höhe des heutigen Hauses Nr. 74) boten den Bürgern Schutz vor Bomben.

 

Der Erdbunker in Barke ist wohl verfüllt worden. Leider gibt es keine Hinweistafeln zu geschichtlich bemerkenswerten Orten in Brake, so auch nicht am Wohn- und Geschäftshaus, dem Standort des ehemaligen Hochbunkers an der Braker Straße 74.

Im Oktober 1944 drangen westalliierte Truppen bei Aachen auf das Gebiet des Deutschen Reiches vor. 1945 begann die Rote Armee, Ostpreußen zu erobern.

Mit Durchhaltebefehlen trieb die politische und militärische Nazi-Führung die deutschen Truppen noch im Frühjahr 1945 weiter in einen längst verlorenen Krieg, wodurch noch Hunderttausende getötet wurden. Man scheute nicht davor zurück "Kindersoldaten" einzusetzen!

2 Beispiele:       Verbrecherisch der Nazi-Aufruf Kinder in

                          "das letzte Gefecht" und damit in den Tod

                          zu schicken - skrupellos!

Bürgermeister von Brake war vom 26. April 1934 bis April 1945 Herr Rudolf Lochmüller, ihm wurde vom Amt Heepen am 01.08.1945 bescheinigt, dass in der Amtsführung (finanzieller Hinsicht) keine Unstimmigkeiten festgestellt wurden.

Am 25. April 1945 stießen erstmals im sächsischen Torgau an der Elbe alliierte US-amerikanische Truppen auf die mit ihnen alliierten sowjetischen Truppen.

Am 30.04.1945 beging Hitler Selbstmord. Die Verteidiger der Stadt kapitulierten am 2. Mai 1945.

Am 8. Mai 1945 (Tag der Befreiung Deutschlands) trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft; der Krieg in Europa war damit beendet. 

Liste der Grausamkeiten im Ergebnis der faschistischen Barbarei:

~ 65 Mio. Tote durch Kriegshandlungen, darunter:

          Sowjetunion [UdSSR]            27,0 Mio.

                  China                                         13,5 Mio.

                  Deutschland                             6,4 Mio.

                  Polen                                           6,0 Mio.

                  Japan                                           3,8 Mio.

                  Indien                                         3,1 Mio.

                  USA, GB, Frankreich      ges. 1,0 Mio.

~15 Mio. Opfer deutscher Masseverbrechen im Kriegsverlauf, darunter:

                 Judenvernichtung                                                                                                            6,0 Mio.

                 KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Deportierte, Zivilisten (ohne Juden)     ges. 3,4 Mio.

                 Euthanasieopfer (NS-Rassenhygiene)                                                                       0,25 Mio.  

                 Roma/Sinti                                                                                                                          0,22 Mio.

                 Kriegsausgaben und -schäden          rund 2.700 Mrd. € 

Eid ehemaliger KZ-Häftlinge [Kurzform], unmittelbar nach ihrer Befreiung:

"Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!"

Auch Brake musste viele Kriegstote und 54 Bombenopfer bei 3 Luftangriffen der Alliierten beklagen. Vor  allem im November 1944 treffen viele Bomben Brake. Der Schildesche Viadukt wird am 14.03.1945 zerstört. Die Hauptstrecke der Bahn wurde auf einer sogenannten Gummibahn am Viadukt vorbei geführt. 

Brake gehörte nach Kriegsende, bis zur Gründung der BRD, zur Britischen Besatzungszone.


Einige Bilder Brakes Kriegszerstörungen 

Bildarchiv HV Brake e.V.

Der Schildescher Viadukt nach seiner Zerstörung im März 1945

Bildarchiv HV Brake e.V.

 

Umgehung des Viaduktes - Beginn

Bildarchiv HV Brake e.V.

 

Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen

deutschen  Ostgebieten in der Britischen Besatzungszone

Vielen Dank für den Besuch unserer Homepage. Falls wir Ihr Interesse an einer Vereinsmitgliedschaft geweckt haben, freut uns dies. Mitglied bei uns werden, ganz einfach, wählen Sie im Menü das Kontaktformular und melden sich auf diesem Weg an. Bitte geben Sie auch Ihre Kontaktdaten an. Die Mitgliedschaft im Verein beträgt 15 € pro Erwachsenen/Jahr. Ermäßigungen im Menüpunkt "Informationen" ersichtlich.